2. Preis des Schwäbischen Literaturpreises 2012 an Bodo Rudolf

Gepostet am Nov 8, 2012

 

Das Thema des 8. Schwäbischen Literaturpreises, der 2012 ausgelobt wurde, lautet “Zugewandert”. Ein Thema, das wie kein anderes auf unseren Autor, Bodo Rudolf, zugeschnitten ist.

Das Motto thematisiere die gesellschaftliche Realität, so die Begründung für die diesjährige Ausrichtung des Wettbewerbs: Im Jahr 2011 zähle Bayern knapp 20 Prozent und Augsburg genau 41 Prozent Bürger mit Migrationshintergrund. Flucht, Vertreibung und Migration seien Teil der europäischen und insbesondere der deutschen Nachkriegsgeschichte. Zur Erinnerung: Um 1950 waren über ein Viertel der Einwohner Bayerisch Schwabens Heimatvertriebene und Flüchtlinge, gegenwärtig haben 20,7 Prozent einen Migrationshintergrund.

Zugewandert ist Bodo Rudolf selbst schon oft: in Frankreich, in den Irak, den Iran, nach Syrien, Abu Dhabi. Selbst nach Sumatra hat es ihn verschlagen. Da sollte man doch meinen, er kenne sich mit Zuwanderung, mit dem Leben WOANDERS, aus. Tut er auch, trotzdem ist er mit seiner Geschichte “Die siebenerlei Leut’ von Röthenbronn” daheim geblieben, dort wo er zuhause ist – im Schwäbischen -, dort, wo die Nicht-Zugewanderten die Zugewanderten “Reigschmeckte” nennen.

Ich bin selbst so eine Reigeschmeckte – migriert aus dem Westfälischen -, lebe seit über 10 Jahren im Schwäbischen, davor im Badischen und davor … vielleicht ist es so: Die Reigeschmeckten schmecken nur rein und dann auch wieder schnell raus. Aber da, wo es einem gefällt, da bleibt man doch? Irgendwann beschließt man: Hier bleibe ich. Und wenn nichts dazwischen kommt und wenn sie nicht gestorben sind … sind wir dann nicht alle einmal irgendwo rei(n)geschmeckt? Ein schöner Gedanke! Ein versöhnlicher Gedanke. Und historisch sicher auch nicht falsch. Also was macht Bodo Rudolf aus “Zugewandert”? Ich zitiere aus der Pressemeldung des Bezirks Schwaben:

Der 2. Preisträger Bodo Rudolf (Jahrgang 1944) hat seine sarkastische Schelmengeschichte im heimischen Westallgäu angesiedelt. In unguter Erinnerung an den “Besuch der Dürenmatt´schen alten Dame” inszenieren sich “Die siebenerlei Leut` von Röthenbronn” gierig, engstirnig und kleinmütig in einer Dorfposse, die ihnen vom “reigschmeckten wüaschtgläubigen” (evangelischen) Unternehmer für eine gemeinsame Erbschaft abgefordert wird. Bodo Rudolf gelingt die nicht einfache Balance zwischen volkstümlichem Ton und dem infamen Inhalt, ohne in banale Witzigkeit abzugleiten”, versichert Laudator Dr. Peter Fassl.

Die Laudatio überrascht mich gar nicht. Auch die Stories von “Paris-Basra”, erschienen 2011 bei uns, bei STORIES & FRIENDS, überraschen den Leser mit scharfsinnigem Humor, bringen ihn zum Lachen und plötzlich zum Innehalten, dann nämlich wenn der Leser zwischen den Zeilen liest oder horcht und merkt, so lustig, nein lustig, war es gewiss nicht. “Wie hätte ich denn sonst über harte Jahre schreiben sollen, wenn nicht humorvoll?”, hat mich Bodo Rudolf einmal gefragt. Und ich stimme ihm zu: Mit Humor lässt sich Vieles leichter ertragen.

Übrigens: Natürlich gab es nicht nur den zweiten Preis. Den ersten Preis des Schwäbischen Literaturpreis 2012 gewinnt Tomo Mirko Pavlovic für sein vielschichtiges Essay “Eloxierungen”. Die in München lebende Silvia Berger erhält den 3. Preis. Der Sonderpreis für einen jungen Autor bis 25 Jahre geht an die aus Ungarn stammende, in Bayern aufgewachsene und in Innsbruck lebende Agnes Czingulszki, Jahrgang 1987.

Bei der feierlichen Preisverleihung am Dienstag, 20. November in Augsburg – Saal Donau – werden die Preisträger gewürdigt und ihre Werke vorgestellt.

Ich gratuliere allen Preisträgern zu dieser schönen Würdigung ihrer Arbeit.

Das ebook mit dem preisgekrönten Werk “Die siebenerlei Leut’ von Röthenbronn” von Bodo Rudolf, erschienen bei STORIES & FRIENDS, ist ab sofort in allen ebook Shops erhältlich.

Die siebenerlei Leut’ von Röthenbronn

Karen Grol | S&F Magazin | 08.011.2012

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