Alles, was geschieht, hat einen Sinn

Gepostet am Jul 1, 2011

Andrea Tillmanns. Geboren 1972 in Grevenbroich. Sie lebt in Niederzier (bei Düren). Nach Physikstudium und Promotion an der RWTH Aachen arbeitet sie als wissenschaftliche Angestellte an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. In ihrer Freizeit widmet sie sich neben der Literatur auch der Fotografie.


Liebe Frau Tillmanns,
beantworten Sie uns doch ein paar Fragen …

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung neben dem Schreiben?
Bei gutem Wetter arbeite ich gerne im Garten – dabei kann ich, wie beim Schreiben, in eine andere Welt eintauchen. Wenn mir die Zeit dazu bleibt, fotografiere ich außerdem und spiele mehrere Instrumente.

Woran arbeiten Sie gerade?
Nachdem ich in den letzten Wochen einige Kurzkrimis für Ausschreibungen verfasst habe, stehen nun mehrere Kurzgeschichten im Bereich Phantastik an. Dann folgt eine Horror-Novelle für einen Verlag, mit dem ich oft zusammenarbeite, und schließlich wartet mein Agent auf den nächsten Aachen-Krimi.

Was ist Ihr nächstes Ziel als Autor?
Das nächste Ziel ist immer das nächste Buch – in diesem Fall ein Kinderbuch, das von einer zauberhaften Katze handelt und das im Laufe des Jahres erscheinen soll. Natürlich wäre es schön, einmal den „großen Wurf“ zu landen und bei einem großen Verlag unterzukommen, viele Bücher zu verkaufen und sich bei Lesungen vor Zuhörern nicht retten zu können … aber letztendlich ist das, was wirklich zählt, das Schreiben selbst. Genug Zeit zum Schreiben wäre daher ein sinnvolles Ziel. Aber darauf werde ich wohl noch bis zur Rente warten müssen.

Was Ihr Lebensmotto?
Alles, was geschieht, hat einen Sinn. Auch wenn man diesen nicht immer sofort erkennt.

Welches Buch hätten Sie gerne geschrieben?
Manchmal – nur sehr selten – lese ich ein Buch, dessen Sprache mich sofort bezaubert, in sich hineinzieht, nicht mehr loslässt. Solch ein Buch würde ich auch gerne einmal erschaffen. Andererseits weiß ich selber, dass mir im Normalfall sachliche Schilderungen mit sanftem Humor besser gelingen. Daher gönne ich mir einen kleinen Anflug von Neid, wenn ich eines dieser seltenen „zauberhaften“ Bücher finde, bleibe aber ansonsten den Themen treu, die mir eher liegen.

Was inspiriert Sie zu Ihren Geschichten oder wen oder was brauchen Sie zum Schreiben?
Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal genügt ein Satz in der Zeitung, eine beobachtete Szene, eine zufällig belauschte Unterhaltung zur Inspiration. Gerade in Kurzkrimis fließt aber oft auch selbst Erlebtes ein – manches, worüber man sich täglich ärgert, bietet überspitzt auch ein gutes Mordmotiv. Wenn die Ideen nicht auf diese Weise von selbst kommen, versuche ich es oft mit scheinbar unpassenden Assoziationen – so entstand vor kurzem beim Blick aus dem Fenster in den Garten die Idee, jemanden mit Himbeeren zu ermorden … und damit war bald auch klar, wer auf welche Weise auf dem Papier sterben musste.
Viele Ideen kommen mir auch beim Sport, insbesondere beim Schwimmen, wenn ich meine Gedanken treiben lassen kann. Dumm nur, dass mir die besten Formulierungen meist längst wieder entfallen sind, wenn ich dann endlich Stift und Papier zur Hand habe …
Und beim Schreiben selbst brauche ich manchmal gar nichts außer dem Laptop, bei anderen Geschichten Musik nebenbei, bei anderen viel Tee und Gummibärchen … das hängt ganz davon ab, wie sehr mich mein Text mitreißt. Die besten Geschichten sind die, bei denen ich überhaupt nichts nebenbei brauche, die ganz von selbst aufs Papier fließen.

Was bringt Sie so richtig auf die Palme?
Das Gefühl, einer Situation – oder einer Person – ohnmächtig gegenüberzustehen, nicht verstanden bzw. überhaupt gehört zu werden und keine Chance zu haben, die Situation zu beeinflussen.

Wo haben Sie das Gefühl, völlig fehl am Platz zu sein?
Bei den typischen Bussi-Veranstaltungen, bei denen es nur um Sehen und Gesehenwerden geht. Das Leben ist zu kurz, um es mit so sinnfreien Dingen zu verschwenden.

Welche Fähigkeit hätten Sie gerne?
Die Welt einen Moment lang durch die Augen eines anderen Menschen sehen zu können. Ich denke, das würde mir als Autorin eine ganz neue Welt eröffnen, andere Blickwinkel erlauben, völlig neue Ideen und Ansichten ermöglichen. Es könnte sehr bereichernd für meine Geschichten sein. Vielleicht mag ich deshalb Fotoausstellungen so gerne – weil sie es mir erlauben, zumindest einen ganz kleinen Teil der Welt durch die Augen des Fotografen zu sehen.

Preise
Happy Birthday!. 1. Platz im CapCo.de – Wettbewerb der deutschen Cyberpunk-Community (2007)
Am Fluss. 2. Platz im Literaturwettbewerb der Frauenzeitung (Fraz), Schweiz (2008)

Letzte Veröffentlichungen
Floßfahrt, Wippe und Regenbogen, Kindergarten-Praxisbuch, Dreieck-Verlag
Tod im Wasser, Aachen-Krimi, Wartberg
Talivan, Fantasy-Storysammlung, UlrichBurger Verlag

Veröffentlichungen bei STORIES & FRIENDS
Aus vielen Einsen etwas Großes. Rätselhaft + wunderbar (2008), Angelika Brox und Karen Grol-Langner (Hrsg.).

rätelhaft+wunderbar

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