Als Wein zum zweiten Mal auf Schokolade traf

Gepostet am Mai 10, 2011

Was macht Der Wahlberliner in Oberhausen-Schmachtendorf?, frage ich mich. Natürlich mit allen Sinnen genießen, antwortet er mir, schüttelt verwundert den Kopf und berichtet mir dann von der Lesung am 5. Mai, als Wein zum zweiten Mal auf Schokolade traf. Ich darf ihn zitieren. Über die Buchhandlung „Zweitbuch“ in Oberhausen schreibt er wie folgt:

Der Inhaber von „Zweitbuch“ ist Lars Baumann, der von sich sagt, er sei „bewusst in die Provinz“ gegangen … (den Bericht des Börsenblattes des deutschen Buchhandels über „Zweitbuch“ lesen Sie hier). Lars Baumann hat diesen liebevoll ironischen Namen gewiss nicht gewählt, weil er es dabei belassen möchte, dass Menschen mit zwei Büchern auskommen. Im Gegenteil. Das zweite Buch macht stets Appetit auf mehr. So, denken wir, will er den Namen seines Bücherparadieses verstanden wissen. Was könnte diesen Hunger aber besser stillen, als besten Wein auszuschenken und dabei wundervollen Kurzgeschichten zu Wein und Schokolade zu lauschen? Gemütlicher Rahmen, ausverkauftes Haus. Die zur Verfügung stehenden Plätze waren schon vorab vergeben – ohne Werbung. Viele Gäste waren schon zum zweiten Mal dabei, nach der erfolgreichen ersten Lesung im Laden fürs zweite, dritte und für jedes weitere Buch, die im Vorjahr stattfand. Bevor wir zu den literarischen Spezialitäten kommen, aber noch ein wenig Information zur verblüffenden Verbindung von Wein und Schokolade.

Und dann zitiert Der Wahlberliner mich, wie ich über Ursprünge, Hintergründe und Gemeinsamkeiten von Schokolade und Wein sinniere:

Die Franzosen und Italiener haben die Traumpaarung schon vor vielen Jahren für sich und ihre Weine entdeckt. Wein und Schokolade haben viele Gemeinsamkeiten, sei es die für den Wachstum notwendige besondere geografische Lage oder die Mystik, die sie umgibt. Beide Köstlichkeiten bieten Sortenreichtum sowie Geruchs- und Geschmacksvielfalt. Wein hat ein Aromenspiel von rund 850 bis 900 Nuancen. Die Schokolade liegt bei rund 1100 Aromen. Man nehme ein Stück Schokolade in den Mund und lässt sie anschmelzen. Erst jetzt kommt der Wein hinzu. Augenblicklich begegnen sich Aromen und vermischen sich. Es entstehen vielfältige Variationen fast wie in einer Ehe: Perfekte Harmonie, Traumpaare, totale Ergänzungen, Flirt, Liebelei, Disharmonie, Dominanz, sich aus dem Weg gehen, Streit oder auch Trennung.

Das ist jetzt also das Zitat eines Zitats. Denken Sie sich bitte doppelte Anführungsstriche. Fakt ist, so oder so ähnlich habe ich das wohl gesagt. Was DerWahlberliner zu Lesung gesagt hat, folgt jetzt:

Die engagierte Verlegerin von STORIES & FRIENDS, Karen Grol-Langner, war aus Baden-Württemberg angereist, um das Publikum zu begrüßen, Herrn Baumann und ihre Autorinnen zu treffen und musste am Ende eine Zugabe lesen. So ist das, wenn die Zuhörer rundherum begeistet sind. Die Autorinnen Elke Schleich, Anja Labussek und Gaby Cadera lasen (in dieser Reihenfolge) aus jeweils einer eigenen und einer fremden Geschichte und wir folgen den Vorträgen!

Den Auftakt machte die Autorin eines Romans und vieler Kurzgeschichten: Elke Schleich. Sie schreibt seit vielen Jahren sehr erfolgreich für Anthologien und Magazine, ist eine versierte Organisatorin von Lesungen und gehört zu den Schriftstellerinnen, von denen man noch einiges erwarten darf … nun, so viel dürfen wir verraten: Ein zweiter Roman, der im Ruhrpott spielt und wundervoll geschriebene Kindheitserinnerungen mit sehr viel Lokalkolorit verbindet, ist in Arbeit. Ein Marcel Pagnol mit Kohlenstaub, Beatles-Musik und Lakritze! Elke schleich las aus:

100 % Schokolade: Elfe und Pegasus | Elke Schleich
Mit allen Sinnen (Wein): Dr. Stolzbürzels Kater-Ex | Michael Zeidler

Sanft und gefühlvoll traf hier auf viel Humor und vereinte sich zu einem Aroma, das für beste Stimmung sorgte und Elke Schleich meisterte jede sprachliche Herausforderung aufs Beste.

Es folgte Anja Labussek, die allein oder als Team mit dem Autor Olaf Trint sprachlich hochklassige und sehr ideenreiche Kurzgeschichten verfasst hat. Sie ist studierte Germanistin, hauptberufliche Buchlektorin in einem Fachverlag und das merkt man. Ihr Sprache ist präzise, aber immer warm und lebendig und Anja Labusseks genauer, humorvoller Blick auf ihre Figuren machen ihre Texte zu einem Genuss für anspruchsvolle Kurzgeschichten-Liebhaber. Anja Labussek trug vor aus:

Mit allen Sinnen (Wein): Trink den Wein deines Lebens | Anja Labussek & Olaf Trint
Gaumenkitzel (Thema Schokolade): Juliane macht ein Dessert | Kai Riedemann

Der Wein deines Lebens – ja, das konnten wir nachempfinden. Eine sehr schöne Geschichte voller Wendungen – und die andere kannten wir, weil wir Gaumenkitzel bereits rezensiert haben. Es folgte eine Pause zum gemütlichen Austausch – und es war Zeit genug vorhanden für einen Schluck Wein.

Den Schlussakkord setzte Gaby Cadera, wie Elke Schleich Mitglied im Schreibzirkel 05, der dafür bekannt ist, dass alle seine Autoren regelmäßig publizieren und ihre Texte im gegenseitigen Austauch auf ein Niveau bringen, das es Herausgebern und Lektoren leicht macht, sie zu veröffentlichen. Gaby Cadera schreibt bereits seit zehn Jahren und hat in dieser Zeit viele erfolgreiche Kurzgeschichten veröffentlicht, die sich sowohl den wichtigen Themen des Lebens wie den kleinen Dingen des Alltags widmen.

100 % Schokolade: Sammeln mit Genuss | Gaby Cadera
Mit allen Sinnen (Wein): Eine wundersame Weinprobe | Günter Kirchberger

Da den Lesern diese Texte so gut gefielen, dass sie unbedingt noch mehr wollten, musste die Verlegerin Karen Grol-Langner selbst ran und las eine Zugabe.

Die Zugabe – und damit unterbreche ich den Wahlberliner frech (seinen kompletten Bericht lesen Sie hier) – war die Story Schoo von Mareike Fröhlich aus Gaumenkitzel.

Und jetzt möchten Sie auch noch etwas über den Wein wissen, den wir ausgeschenkt haben? Wieder hat Westfalen Schwaben getroffen. Dabei ist “Junges Schwaben” keine Independent Band, sondern eine Winzergruppe. Die Medien sprechen von den Wein-Rockern aus Baden-Württemberg und sagen, sie zählen zum Besten, was das Land zu bieten hat. 2010 wurde sie zu Europas Nachwuchswinzern gekürt, dabei sind sie alle schon gestandene Weinbauern. Nachdem ich im letzten Jahr Wein von Kistenmacher & Hengerer im Gepäck hatten, ist es diesmal der vom Weingut Zipf. Es liegt am Hang der Löwensteiner Berge, gleich hinter dem Breitenauer See. Das ist bei mir um die Ecke. Wein gibt es dort schon seit 100 Jahren. Jürgen Zipf führt das Gut zusammen mit seiner Frau in dritter Generation. Ich waren am letzten Wochenende dort. Der Verkaufsraum war nach gründlicher Renovierung sehr modern und ansprechend eingerichtet. Ich sprach ihm meine Anerkennung aus. Senior Zipf zuckt mit den Achsel und sagt: „Wem’s gefällt. Geschmäckle sind verschieden“. So sind se die Schwaben.

Die Geschmäckle der Westfalen haben wir dann mit drei Zipfschen Rotweinen gekitzel. Dazu kredenzten wir wieder Schokolade aus Westfalen vom Familienunternehmen DreiMeister aus Werl. Jetzt die Weinkarte:

2008 Blauer Spätburgunder trocken, auch Blauburgunder oder nur Spätburgunder genannt, im Holzfass gereift

2007 Lemberger Steillage trocken, auch Blaufränkisch, Lemberger oder Blauer Limberger genannt, die vierthäufigste Rebsorte in Baden Württemberg, sehr verbreitet in Österreich, dieser hier kommt von einer Löwensteiner Steillage, im Holzfass gereift

2005 Cuvée Hermann, im Holzfass gereift, benannt nach dem Großvater und Gründer des Weinguts, besteht aus Lemberger, Dornfelder, Cabernet, gutes Beispiel dafür, dass deutsche Weine auch reifen können und nicht nur für den schnellen Konsum hergestellt werden.

Übrigens, dass wir an diesem Abend auch noch die Sommelière Christin Fischer zu Gast hatten, die wir prompt baten, uns etwas zum/vom Wein zu erzählen, war wirklich eine Überraschung! So ist das, wenn sich Menschen treffen, wo auch immer, in Oberhausen oder im Internet, dann entsteht die ein oder andere besondere Begegnung und fruchtbare Kombinationen. Ich freue mich auf ein nächstes Mal.

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