Mord statt Sport! Anja Puhane stellt sich vor

Gepostet am Sep 14, 2012

Anja PuhaneAnja Puhane. Jahrgang 1966, lebt seit Ende 2000 mit ihrem Mann in Mönchengladbach. Von 9 bis 5 arbeitet die Diplomkauffrau in der Prozessorganisation eines Kreditinstituts. In ihrem zweiten Leben sorgt sie für jede Menge literarischer Leichen – meist kurz, aber nicht immer schmerzlos. Seit Ende 2011 ist sie Mitglied bei den mörderischen Schwestern


Liebe Frau Puhane,
beantworten Sie uns doch ein paar Fragen …

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung neben dem Schreiben?
Was schon – Lesen natürlich! Im Sommer gerne im Garten, dessen Schreie nach Pflege ich dann – je nach Lektüre – manchmal erhöre. Auf der Suche nach neuen Eindrücken reise ich auch gerne, was im Moment für meinen Geschmack leider etwas zu kurz kommt. Mit Theater, Oper, Konzerten, von Klassik über Jazz zu Rock, kann man mich ebenfalls locken. Bis vor kurzem war ich im Vorstand des deutschen Marillion-Fanclubs (eine Band, die früher berühmt war, aber heute eigentlich die bessere Musik macht). Als gelernte Bankkauffrau musste ich mich natürlich um die Finanzen kümmern, habe aber auch zahlreiche Artikel für das Fanzine verfasst, was zeitlich der geringere Aufwand war und ungleich mehr Spaß brachte! Den einen oder anderen Artikel werde ich sicherlich auch in Zukunft noch verfassen, widme mich aber in erster Linie dem fiktionalen Schreiben.

Woran arbeiten Sie gerade?
Ein Projekt ist der gemeinsam mit der Autorin Jutta Chrisanth verfasste Kriminalroman mit dem Arbeitstitel “Dope Ducks”. Die Leichen sind begraben, der Mörder gefasst und wir derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Verlag. Zeitgleich arbeiten wir beide als Autorenduo “Duo Criminale” an Kurzkrimis, die durch Exponate aus dem Museum Abteiberg in Mönchengladbach inspiriert wurden und dem Leser einen ungewöhnlichen Zugang zu moderner Kunst bieten. Die Texte schreiben wir zunächst unabhängig voneinander und geben uns anschließend gegenseitig Anregungen für die Überarbeitung. Auf diese Art haben wir bereits mehrere Lesungen durchgeführt und ziemlich viel kriminelles Material gesammelt.

Was ist Ihr nächstes Ziel als Autor?
Mehrere kriminelle Ideen schlummern derzeit noch in meinem Kopf und warten darauf, ans Licht befördert und der großen, weiten Welt zugänglich gemacht zu werden. Da immer nur morden auf Dauer im wahrsten Sinne des Wortes zu morbid ist, mache ich gerne “Seitensprünge” wie mit “Vollmond” bei STORIES & FRIENDS oder alle Jahre wieder mit Weihnachtsgeschichten. Als Autorin kann ich im übrigen den Satz “der Weg ist das Ziel” sehr gut nachempfinden – das Schreiben macht mir so viel Spaß, dass das Ergebnis fast nebensächlich ist.

Was Ihr (Lebens-)Motto?
Der Weg …, nein, es gibt noch einen Satz, den ich sehr schön und wahr finde: Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Stammt leider nicht von mir, sondern von Albert Einstein. Aber der muss es ja wissen!

Welches Buch hätten Sie gerne geschrieben?
Eines? Welcher Autor begnügt sich mit einem Buch? “Schilf” von Juli Zeh, weil es nicht nur eine ausgeklügelte Geschichte ist, die am Ende sogar mein Interesse für Physik geweckt hat, sondern weil es auch sprachlich ganz wundervoll ist. Fast alles von Amélie Nothomb, besonders die autobiographischen Bücher, weil auch sie so toll geschrieben sind, dass ich Frau Nothomb sogar um die schlechten Erfahrungen beneide. Die Schaf-Krimis von Leonie Swan sind auch großartig, wobei man dann natürlich auch Richard Adams “unten am Fluss” erwähnen muss. Tolkien… ach, und Terry Pratchetts Humor, der mich immer an die Monty Pythons erinnert… Und wenn wir schon beim Film sind: Das Drehbuch zu “The Killing” (bzw. “Das Verbrechen” oder auch Kommissarin Lund) – großes Fernsehen!

Mit welchem Buchhelden können Sie sich identifizieren?
Als Kind habe ich das hässliche Entlein aus dem Märchen gemocht und fand es schade, dass es am Ende einfach nur ein schöner Schwan war. Das Entlein in seiner Andersartigkeit war mir im Grunde lieber. Hermine Granger aus Harry Potter – die einzig coole Streberin. Also, ich mag Buchhelden, die ein bisschen anders sind.

Wer ist/sind Ihr/Ihre Held(en) in der Wirklichkeit?
Oft sind es Alltagshelden, Menschen, die mich dadurch beeindrucken, dass sie sich für andere einsetzen, ihre Träume verwirklichen, ohne Trümmer zu hinterlassen, anderen zeigen, dass es sich lohnt, für Ideale zu kämpfen. Es gibt viele kleine Helden, jeder von uns hat das Zeug dazu.

Welchen Gegenstand müssen Sie anfassen, wenn Sie ihn sehen?
Glatte Steine, poliertes Holz, Samt …

Wer oder was inspiriert Sie zu Ihren Geschichten oder wen oder was brauchen Sie zum Schreiben?
Alles und nichts. Kunst – ich habe erst durch das Schreiben einen Zugang zu moderner Kunst gefunden, die enorm inspirierend sein kann. In Verbindung mit Musik wird es dann ganz spannend. Moderner Jazz, wie zum Beispiel vom Essbjörn Svensson Trio, hat auch sehr interessante Auswirkungen auf meine Texte. Landschaften, die Stimmungen und Atmosphäre ausstrahlen, Städte mit einem besonderen Flair, aber auch solche ganz ohne etwas besonderes. Und natürlich immer wieder Menschen mit ihren Eigenarten, Ticks, Geheimnissen.

Was bringt Sie so richtig auf die Palme?
Intoleranz, Dummheit und ganz besonders Intoleranz und Dummheit.

Wo haben Sie das Gefühl, völlig fehl am Platz zu sein?
Karneval finde ich manchmal schwierig – bei einer Rheinländerin ist das schon als schwerer Gen-Defekt zu werten.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag den Platz tauschen?
Mit einem Mauersegler im Sommer.

Was war der mutigste Moment in Ihrem Leben?
Für mich gehört jedes Mal eine Portion Mut dazu, wenn ich eine meiner Geschichten in der Öffentlichkeit lese.

Total überbewertet finde ich?
Statussymbole. Bestsellerlisten. Kontoauszüge. Kalorientabellen.

Welche Leistung bewundern Sie am meisten?
Selbstlosigkeit.

Welches geliehene Buch haben Sie nicht zurückgegeben?
Ein Laufbuch – ich laufe immer noch nicht …

Letzte Veröffentlichungen
„Christmas unusual“ in „Weihnachtsgeschichten am Kamin“, Band 22, rororo, Hrg. Richter / Mürmann, 2007
„Ein Weihnachtstraum“ und „Lila Abendstern“ in „Weihnachtliche Tiergeschichten“, rororo, Hrg. Richter / Mürmann, 2008
„Weihnachtspost“ in „Weihnachtsgeschichten mit Kindern“, rororo, Hrg. Richter / Mürmann, 2009
„Ein Weihnachtsmann für Antje“ in „Weihnachtsgeschichten am Kamin“, Band 25, rororo, Hrg. Richter / Mürmann, 2010
„Weihnachtskatastrophen“ in „Weihnachtsgeschichten am Kamin“, Band 26, rororo, Hrg. Barbara Mürmann, 2011
„Ungezähmt“ und “Der Schatz” in „Nachtaktiv – das Buch zur Kulturnacht”, Verlag Kunst- und Kulturinitiative Offenes Atelier Mönchengladbach e.V.

Veröffentlichungen bei STORIES & FRIENDS
Vollmond. Spirits Hörbuch (2012), Elke Schleich und Olaf Trint (Hrsg.).

Spirits

S&F Magazin | 14.09.2012 | Karen Grol

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