Bargeschichten – GeschichtenBars

Gepostet am Feb 17, 2012

Lisa WeichartUnsere Autorin Lisa Weichart hat unsere Ausschreibung “Bargeschichten” für eine genussvolle Recherche in Regensburg genutzt. Bars sind voller Geschichten, ist ihr überzeugtes Credo. Aber ob der Autor, die Autorin sie aufheben soll?

Frauen in Bars. Ich war eine von ihnen, jeweils mit einer zweiten unterwegs, um die Atmosphäre zu erleben, damit ich in Stimmung käme für die Ausschreibung. Stoff wollte ich nicht sammeln, aber ich bekam ihn trotzdem im Überfluss. Geschichten über Hoffnung, traurige Stories und Monologe – meine eigenen Worte rührten darin wie der Trinkhalm im Longdrink. Nichts davon habe ich geschrieben, sonst wären die Bargeschichten zu nah an tatsächlichen Begebenheiten gewachsen und wären nur Berichte geworden. Außerdem war es nicht nötig, groß nachzudenken oder zu konstruieren, denn etwas Zauberhaftes zog in mein Gemüt. Die Bars entfalteten sich in mir, breiteten sich aus mit ihren Gerüchen, Geräuschen und Farben. Wie ein Pinsel Papier bemalt, so bepinselten sie meine innere Leinwand.

Die Worte meiner jeweiligen Begleiterin trug ich zwar mit nach Hause denn wir tauschten Gefühle aus wie Fotografien, wir lachten und sinnierten. Mit einem männlichen „Opfer“ philosophierte ich gleich zwei Bars „durch“. Nur fünf Bar-Abende waren es gewesen und doch haben sie mir die Tür zu einem weiteren Zimmer in meinem Kopf geöffnet, das ich noch nicht kannte. Als wäre da eine Tapetentür im Verborgenen, die sich plötzlich aufgetan hätte, nur um mich in diesen Raum zu führen, wo das Licht ganz anders ist als im restlichen Haus meiner Gedankenwelt. Gedämpft, wohltuend, doch erregend fremd und von Stimmen durchzogen. Licht und Stimmen, alles weich, großzügig, entspannt und zeitlos. Nie hätte ich geahnt, wie sehr mich die Atmosphäre jeder einzelnen Bar in den Schlaf begleiten würde, um an einem der folgenden Abende ganz von selbst Geschichten zu malen, die ich dann nur noch in Buchstaben umformte.

Ich habe die Geschichten Freunden vorgelesen, auch von ihnen kamen neue Zutaten, die ich kannte, aber nicht benutzt hätte ohne die Frische meiner Freunde, die wiederum beim Zuhören entstanden war.

Ein, zwei Mal war ich alleine in ein, zwei Bars. Mit einem Kugelschreiber und einem Blatt und der Cocktailkarte war ich schon zu viert, die Bar war ein riesiges Wohnzimmer. Und der Rest der Welt stand draußen vor der Türe still, um auf mich zu warten, wie ich mit einem KofferKopf voller Impressionen wieder hinauskam. Der Weltrest nahm mich auch jedesmal wieder in Empfang, schweigsam weil gespannt auf mich, wie eine dunkle Mutter – es war ja auch immer Nacht. Ich konnte den KopfKoffer kaum tragen, so voll war er und doch so unbeschreiblich leicht. Als Geschichte für Geschichte reifte, schrieb ich sie zu Hause mit klopfenden Fingern und es war wie Auspacken. Behutsames Auspacken und Zurechtlegen, keine Arbeit. Das nochmalige Betrachten plusterte das Hingelegte auf, wobei das Tageslicht viel zu ehrlich war. Ob sie nun tauglich sind, entscheiden Andere. Für mich war die Zeit der Bargeschichten von besonderem Wert.

Lisa Weichart | 15.02.2012 | S&F Magazin

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