“Bildermord” von Ingrid. J. Poljak

Gepostet am Okt 21, 2013

Auch andere Verlage machen gute Bücher. So stelle ich Ihnen nicht zum ersten Mal ein Buch vor, das nicht bei STORIES & FRIENDS erschienen ist. Die Autorin, Ingrid J. Poljak, ist in Wien geboren und war nach dem Studium an der TU Wien viele Jahre als Architektin und nebenberuflich als Grafikerin tätig. Sie schreibt bereits seit ihrer Jugend, doch seit einigen Jahren widmet sie sich völlig der Literatur und verfasst Krimis, Thriller und Kurzgeschichten. Darunter “Bildermord”, ihr neuestes Werk, ein Künstlerkrimi vor dem Hintergrund der Probenarbeiten zu „Hoffmanns Erzählungen“ bei den Salzburger Festspielen. Ein spannender Krimi, der den Leser zu einer der größten Bühnen reisen läßt und neben guter Unterhaltung viel Wissenswertes zu Salzburg, Oper und Malerei vermittelt. Dafür ein “sehr zu empfehlen” von mir.
 
Ich wollte von Ingrid wissen, wie es zu diesem Buch kam, und sie hat mir Rede und Antwort gestanden:
 
 
Ingrid J. Poljak
 
 
Wann entstand bei Dir der Wunsch, Schriftstellerin zu werden?
Eigentlich in Ermanglung guter Jugendbücher in meiner Frühpubertät in den 50er-Jahren. Mit 13 fand ich auf einem Dachboden eine an den Rändern abgestoßene, aus der Vorkriegszeit stammende Paperback-Ausgabe des Romans „Der Geisterseher“ von Friedrich Schiller in der Überarbeitung von Hanns Heinz Ewers. Dieser hauptsächlich in altmodischer Briefform geschriebene Roman wurde mein Kultbuch, so sehr, dass es meine Mutter in schwarzem Leinen mit Golddruck neu binden ließ. Um 100 Schilling, das war damals für uns viel Geld. Statt weiterhin nach Büchern zu suchen, die mir gefallen hätten, begann ich selber – hauptsächlich in der Schule unter der Bank – Romane zu schreiben, in karierte A5-Hefte, alle fünf Millimeter eine Zeile. Ich bin trotzdem nicht Schriftstellerin geworden, aber ich habe in meiner Freizeit immer wieder Romane zu schreiben begonnen, und habe viele dieser Fragmente in mein Pensionsalter herüberretten können. Jetzt versuche ich, all diese Geschichten aufzuarbeiten bzw. die Themen und Ideen in neue Inhalte und Formen zu bringen.
 
Wie bist Du auf die Idee zum Roman „Bildermord“ gekommen und wie hat sich die erste Idee weiter entwickelt?
Ursprünglich war es eine Kurzgeschichte über einen Comiczeichner, der ein Eifersuchtsattentat begeht, weil seine für ihn Modell stehende Ehefrau (als Comicfigur) auch von anderen Männern verehrt wird und er glaubt, dass sie ihn betrügt. Der Roman ist praktisch die Fortsetzung dieser Geschichte und hat sich eigentlich von selbst entwickelt. Der Protagonist hat mit Hilfe eines Freundes inzwischen eine zweite Karriere begonnen. Zum Thema „Täuschung und Enttäuschung“ hat die Oper „Hoffmanns Erzählungen“ einen passenden Hintergrund abgegeben. Der Schauplatz Salzburg hat sich ergeben, weil ich einfach dort das Festspielhaus und die Bühnentechnik am besten kenne bzw, die Möglichkeit hatte, gründlich zu recherchieren. Außerdem ist Salzburg meine Lieblingsstadt.
 
Was ist Deiner Meinung nach das Besondere an dem Roman?
Dass er vom üblichen Krimischema abweicht. Er stellt nicht die Ermittlungen in einem Kriminalfall in den Vordergrund, sondern das Verhalten eines Mannes, der durch verbrecherische Manipulationen in die Enge getrieben wird. Zwei große österreichische Verlage, die auf der Suche nach einem Salzburg-Krimi waren, haben ihn – nachdem mir die Lektoren schon etliche kleine Tipps zur Überarbeitung gegeben hatten – schließlich abgelehnt, weil Ihnen zu wenig „regionale Kultur“ darin vorkommt. Als ob die Salzburger Festspiele nicht zur Kultur unseres Landes gehören würden. Aber die Ablehnung als Regionalkrimi lag wahrscheinlich daran, dass die Hauptfiguren im internationalen Festspielbetrieb naturgemäß keine Salzburger sind. Internationalität empfinde ich als positiv. Eine weitere Besonderheit des Romans sind die facettenreichen Charaktere. Schwarz-weiß-Malerei jeder Art vermeide ich.
 
Wer sind Deine Lieblingsautoren bzw. literarischen Vorbilder?
Von den Klassikern Shakespeare, ETA Hoffmann, Dostojewskij. Von den Schriftstellern des 20. Jahrhunderts: Friedrich Dürrenmatt, Patricia Highsmith, Minette Walters, Umberto Eco, um nur die wichtigsten zu nennen.
 
Welche Bücher liest Du zur Zeit?
„Die Süße des Lebens“ von Paulus Hochgatterer und einige Fachbücher über Psychologie und Psychoanalyse.
 
Welchen Rat würdest Du angehenden Autoren geben?
Einer Idee treu zu bleiben und dann Geduld, Geduld, Geduld.
 
 
Bildermord
 
Bildermord führt den Leser zu einer der größten Bühnen der Welt. Nicht nur zu Salzburgs berühmten Sehenswürdigkeiten, sondern auch zu verborgenen, geheimnisvollen Plätzen. Touristen werden die Orte, Gebäude und Institutionen mit Freude wiedererkennen, wenn sie sich auf der Heimreise oder zu Hause der Lektüre dieses spannenden Thrillers mit seinen ungewöhnlichen Protagonisten widmen.
 
Worum es geht?! Ein nicht ganz unschuldiger Kulissenmaler, der von seiner Arbeit und von der Erinnerung an seine Exfrau „besessene“ Henri Devolier soll Chef der Kulissenabteilung bei den Festspielen werden. Doch ein Betrüger will ihm den Diebstahl eines wertvollen Schiele-Gemäldes in die Schuhe schieben. In den hektischen zweieinhalb Wochen vor einer Opernpremiere muss Henri sich mit Leuten herumschlagen, die hinter dem Bild her sind und auch vor Mord nicht zurückschrecken. Die Opernhandlung spiegelt Henri verzweifeltes Streben nach Erfolg und seine Enttäuschungen wider, denn Täuschung und Enttäuschung sind auch Themen in E.T.A. Hoffmanns Geschichten.
 
Mehr Informationen zu Ingrid J. Poljak und ihrem Krimi finden Sie auf ihrer Homepage oder auf der Facebook Seite zu “Bildermord”., auf der die Autorin auch Hintergrundinformationen zum Buch posted.
 
Karen Grol | S&F Magazin | 21.10.2013

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