Durchhalten und Staunen

Gepostet am Jun 1, 2010

Regina Schleheck wurde 1959 in Wuppertal geboren, ist in Köln aufgewachsen, hat in Aachen Germanistik, Sozialwissenschaften und Sport studiert und ihre Familienplanung 1994 mit fünf Kindern in Herford abgeschlossen. Seit 1996 wohnt sie in Leverkusen, unterrichtet seit zehn Jahren an einem Kölner Berufskolleg, mittlerweile als Oberstudienrätin, außerdem seit zwanzig Jahren als freiberufliche Referentin an Erwachsenenbildungseinrichtungen. Seit 1999 schreibt sie, wurde vielfach ausgezeichnet, veröffentlicht hat sie vor allem im Bereich Kurzprosa und Hörspiel.


Liebe Regina Schleheck,
beantworten Sie uns doch ein paar Fragen …

Was Ihr Motto?
Das gibt es nicht. Viele Jahre hieß es vielleicht so etwas wie „durchhalten“, heute staune ich gelegentlich, dass ich überlebt habe.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung neben dem Schreiben?
Da ist nicht viel Raum. Ich habe einen aufreibenden Brotberuf, eine große Familie, viele Verpflichtungen. Aber ich gehe sehr gerne ins Theater oder zu anderen Veranstaltungen, unternehme etwas mit meiner Familie und Freunden. Sport treiben und Reisen darf ich kaum noch nennen, weil es in meinem Leben nicht mehr viel Platz findet. Aber ich tue es trotzdem gern. Zum Glück komme ich durch Lesungen immer noch viel herum.

Woran arbeiten bzw. schreiben Sie gerade?
Ich habe fast immer mehrere Projekte „laufen“. Hörspiele, Erzählungen, Kurzgeschichten, aber auch redaktionelle Arbeiten, Coaching, Vorbereitung von Lesungen …

Was ist Ihr nächstes Ziel als Autorin?
Ich habe keine Ziele. Ich habe nur Not, all die Dinge umzusetzen, die getan werden wollen.

Welches Buch hätten Sie gerne geschrieben?
Keines. Ich bewundere viele Autoren. Aber so könnte ich nie schreiben.

Mit welchem Buchhelden können Sie sich identifizieren?
Ich bin mit Buchhelden aufgewachsen, habe mit ihnen geliebt, gelacht, gelitten. Sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Entweder hatten sie alle etwas von mir oder ich bin ein Konglomerat aus ihnen. Lesen halte ich für einen wunderbaren Beitrag zur Toleranz.

Wer sind Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Potentiell jeder, der mir begegnet. Wenn man genauer hinguckt, könnte man zu jedem Mitmenschen Bibliotheken füllen. Zum Glück gibt es ja den Tunnelblick. Den streife ich mir schnell über, bevor ich Brötchen holen gehe. Oft erwischt es mich dann, wenn ich anschließend die Tageszeitung aufschlage.

Welchen Gegenstand müssen Sie anfassen, wenn Sie ihn sehen?
Alles, was ich nicht fassen kann! Vielleicht erklärt das meinen Drang zu schreiben. Das Schreiben ist sicherlich ein Stück Lebensbewältigung: mich mit Dingen auseinanderzusetzen, die mich beunruhigen, sich meinem selbstverständlichen Zugriff entziehen, um sie dadurch (an)fassbar zu machen. Daher also: im Prinzip alles, aber vorzugsweise das, was mich befremdet.

Wer oder was inspiriert Sie zu Ihren Geschichten?
Zeit. Ein paar Stunden pro Woche reichen schon.

Was bringt Sie so richtig auf die Palme?
Die Liebe zur Kokosnuss.

Wo haben Sie das Gefühl, völlig fehl am Platz zu sein?
In einem Löwengehege.

Was haben Sie noch nie verstanden?
Kisuaheli, Excelformeln und warum der Schmetterling Schmetterling heißt.

Welche Fähigkeit hätten Sie gerne?
Langmut. Zumindest Längermut.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag den Platz tauschen?
Jetzt habe ich über ein halbes Jahrhundert daran gearbeitet, mit mir auszukommen. Gerne übernehme ich für einen Tag Einkommen, Befugnisse, körperliche Merkmale oder Lebensraum eines anderen Menschen, aber wie ist es mit seinen Gedanken und Empfindungen? Wozu soll der Tausch gut sein, wenn ich nicht ich bleibe? Wenn ich aber ich bleibe, genügt es vielleicht einmal genauer hinzugucken oder ein gutes Buch zu lesen. Damit richtet man vielleicht weniger Schaden an.

Was war der mutigste Moment in Ihrem Leben?
Ich bin nicht mutig, sondern tue Dinge, weil ich meine, dass sie getan werden müssen. Je nachdem, wie heftig dieses Gefühl ist, wage ich mich mehr oder weniger weit vor. Mut kann ich das nicht nennen. Der Adrenalistoß, den ich dabei empfinde, ist immer rückwärts, nicht nach vorne gewandt, d. h. ich höre meinen inneren Schweinehund immer lauter schreien als die enthusiastische Heldin in mir, gehöre also definitiv eher der Spezies Hosenschisser an.

Total überbewertet finde ich?
Männer. Frauen leisten unter ungünstigeren Bedingungen mehr, finden aber vergleichsweise wenig Anerkennung dafür.

Welche Leistung bewundern Sie am meisten?
Die stillschweigend geleistete Arbeit für andere, also das, was ein großer Teil der Menschheit jenseits des Rampenlichts Tag für Tag tut.

Welches geliehene Buch haben Sie nicht zurückgegeben?
Wenn ich die Frage beantworten könnte, müsste ich “keines” sagen. Täte ich das, wäre die Antwort vermutlich unzutreffend. Aber auch wenn ich selbst immer wieder Lücken in meinem Bücherbestand schmerzhaft wahrnehme: Ich bin mir sicher, dass die allerwenigsten ein ausgeliehenes Buch bewusst zurückhalten. Daher leihe und verleihe ich munter weiter. Zumal ein weitergereichtes Buch doch mehr bewirken kann als ein Staubfänger im Regal.

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Veröffentlichungen
Über 70 Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien
Hörspiel: Mark Brandis. Bordbuch Delta VII. steinbach sprechende bücher 2007
Erzählband: Klappe zu – Balg tot. Wurdack Verlag 2009
Hörspiel: Adventsgeschichte von A bis Z. Hörspiel für Ü-Zehner. Drachenmond Verlag 2009
Roman: Du kannst deinem Herzen nicht entfliehen. Balthasar Verlag 2010 (erscheint demnächst)

Preise
Auszeichnungen habe ich vor allem im Bereich Kurzprosa, Hörspiel, aber auch Theater und Drehbuch erhalten, u. a.:
Deutscher Phantastikpreis 2008: „Bestes Hörspiel 2007“ für „Mark Brandis. Bordbuch Delta VII“
1. Platz des Corona-Magazin-Wettbewerbs im März 2009 für die Kurzgeschichte „Mann oh Manna“
2. Platz beim ersten deutschsprachigen Krimipreis 2009 für Hörbuch-Kurzgeschichten für den Kurzkrimi „Killerpitsch“

Veröffentlichungen bei STORIES & FRIENDS

Arabica & Robusta

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