Hochprozentige Bargeschichten

Gepostet am Nov 20, 2011

NEUE SHORT STORY AUSSCHREIBUNG

Unser Aqua Vitae hat den Gourmand World Cookbook Award als Best Spirit Book gewonnen und sich als Begleiter zu einem guten kultiviertem Glas Single Malt auch international bewährt. An diesen Erfolg möchten wir anknüpfen. Für ein neues kulinarisches Geschenkbuch suchen wir Kurzgeschichten und Kurzkrimis, die in einer Bar spielen und – ganz wichtig – in denen ein Drink, eine Spirituose oder ein Cocktail, eine wichtige Rolle spielt.

Einstimmung

„Eine Bar ist ein Ort, den man als Wohnzimmer betrachtet. Wo man zu Hause ist und trotzdem gehen kann, wann man will“, sagte Charles Schumann, wohl Deutschlands berühmtester Barkeeper, der nicht nur eine der bekanntesten Bars in München betreibt, sondern auch als Model für Baldessarini, als Buchautor und durch diverse Werbeengagements berühmt wurde. Als ist wohl nicht genug, mit schnellen und geübten Handgriffen einzigartige Cocktails zaubern zu können! Ein Selbstversuch vor einigen Tagen hat gezeigt: Manch Barkeeper überzeugt auch durch Witz und Charme. „No woman no cry“, sang der Mann hinter der Bar, die ich aufgesucht habe, und er schaute mir dabei tief in die Augen, als er mit meinen Aperol Sprizz servierte. Er war schon in die Jahre gekommen, Haare grau, das Gesicht von Weisheit gekennzeichnet, den Preis nannte er auf Spanisch, wiederholte ihn auf Deutsch, als er meinen fragenden Blick bemerkte, und sang dann wieder: „No woman no cry“. Überzeugt hat er mich, als er mir auf meine Bitte, er möge mir doch den Cocktail empfehlen, der zu mir passt, einen Whisky Sour mixte. Whisky ist mein Favorit, ich trinke ihn jedoch meist pur, selten mit Wasser, nie mit Cola. Viel besser als Whisky und Cola, ist Whisky und Liebe, da halte ich es mit dem berühmten schottischen Whiskykenner Ken o’Garrl. Was den kennt ihr nicht? Lest „Aqua Vitae“! Apropos Liebe. Auf den Barhockern neben mir saßen zwei, deren Gesichter ich gar nicht zu Gesicht bekam, so sehr waren sie sich selbst genug. Plötzlich erhoben sie sich – küssend, ineinander verschlungen – und … gingen. Vermutlich wechselten sie schlicht das Wohnzimmer. Soviel zum Selbstversuch.
Gewiss ist nicht eine Bar wie die andere. Die eine ist gemütlich, die andere kalt und steril, dunkel oder hell, voll oder leer, bunt oder voll cool, trendy und abgefahren. Passen die Barkeeper zu ihrer Bar? Die Gäste gewiss, warum sollte sie bleiben, wenn sie sich nicht wohlfühlen, wenn wir Charles Schumann glauben mögen. Wikipedia sieht Bars ganz sachlich und sagt:

„Eine Bar ist eine Gaststätte, in der Getränke an einem hohen Schanktisch (englisch: bar) ausgeschenkt werden. Entlehnt wurde das Wort Bar im 19. Jahrhundert aus dem englischen bar, das wie das altfranzösische Wort barre ursprünglich Querstange bedeutete und später eine aus mehreren Stangen bestehende Schranke bezeichnete. Die meisten Bars sind nur abends und nachts geöffnet, einige aber auch tagsüber. Je nach Ausrichtung werden Bier und eine Auswahl an alkoholischen Getränken oder vor allem Cocktails angeboten.“

Dann wird man bei Wikipedia aufgefordert auch noch unter Lounge, Resto-Bar, Pub, Kneipe, Saftbar, Milchbar, Bar mleczny zu recherchieren. Und was ist mit Strandbar, Hausbar, Hotelbar und …? Nie vergesse ich die Freundin, eine Belgierin, die darauf beharrte, eine Hausbar zu kaufen, die gäbe es in Belgien in jedem Haushalt. Es gibt Großstadtbars, Kleinstadtbars, Provinzbars, sie sind in Berlin, New York, am Strand von Palma de Mallorca, in China, in Mexiko, in Österreich, auf Sri Lanka, im Irak, auf Sylt, in Hintertupfingen … Und überall – das stelle ich mir so vor – ist eine Bar ein kleiner Mikrokosmos, ein Ausschnitt der Welt, die die Bar umgibt, mit den Menschen, die dazu gehören, mit ihren Wünschen, Träumen und mit ihrem Kummer und Sorgen. Dort beginnt eine Liebe, eine andere findet ihr Ende. Freunde finden sich, streiten oder diskutieren, mancher Aufstand wird geprobt. Ganze Revolutionen entstanden schon am Tresen. Es werden Ideen geboren, die den Tag vielleicht nie sehen werden und Entscheidungen getroffen, die man wenige Stunden später verwirft. Und dann gibt es auch Pläne, die werden rigoros über den Haufen geworfen, weil die Musik – eine Liveband vielleicht oder auch nur die Konserve – so gut war, die Stimmung so besonders, die Frau so süß, der Mann so charmant, das Licht so wenig, der Cocktail schlicht einzigartig. Im Krimi darf natürlich auch gemordet werden, gestorben, bemühen Sie bitte Ihre Fantasie!

Und was trinkt man in der Bar?

Viel wurde jetzt von Bars erzählt, von Barkeepern und auch von den Menschen, die es sich gemütlich in ihnen machen, wie in einem Wohnzimmer. Geschichten ohne Menschen, das geht schließlich nicht. Nur, das passende Getränk, das fehlt den Menschen jetzt noch. Leere oder gar fehlende Gläser sind nicht gern gesehen in einer Bar. Manch Barkeeper wird die Kaffeebestellung, das Glas Milch, die Apfelschorle sogar mit einem missbilligenden Blick bestrafen. Vermutlich ist ein Korn in einer Münchner Bar daneben, aber in einer Hotelbar auf Norderney völlig normal. Zu jedem Drink gehört also die passende Bar am passenden Ort mit passenden Menschen. Ist das so? Vielleicht erzeugt Unpassendes die Spannung? Also! Was trinkt der Held in Ihrer Geschichte? Wo ist die Bar? Was ist sein Lieblingsdrink? Trinkt er den Martini geschüttelt, gerührt, auf Eis oder ohne. Worauf gehört eine Olive, worein eine kandierte Kirsche? Ist das wirklich Zitronensaft in meinem Whisky Sour und welchen Whisky hat der Barmann nun verwendet? Gibt es auch Barfrauen? (Ich hoffe doch sehr!) Schmeckt Aperol Sprizz besser mit Prosecco oder mit Weißwein oder kann dieser neumodische Kram niemals konkurrieren mit einem guten Glas Single Malt, einem Brandy, einem Cognac oder einem Wodka, Korn und Aquavit, Gin, Rum oder was immer Ihre Helden lieben. Vielleicht lassen sich Ihre Helden jedoch auch einen Drink mixen, der genau auf sie zugeschnitten ist. Maßgeschneidert – Taylor-made! Natürlich gibt es auch alkoholfreie Cocktails mit vielen hochprozentigen Vitaminen gegen die durchfeierten Nächte. Dagegen kann niemand was haben.

Was suchen wir?

Zuerst, was wir nicht suchen. Bemühen wir noch einmal Charles Schuhmann: „Ein echter Mann muss nicht saufen“, sagte der Bonvivant. Und natürlich gilt das auch für Frauen. (Und wenn es einen guten Grund gibt dürfen es beide? Oder?) Winston Churchill sah man selten ohne ein Glas Whisky in der Hand, Oscar Wilde konnte allem widerstehen, nur nicht den Versuchungen. Natürlich dürfen Ihre Helden auch mal einen über den Durst trinken, im Vordergrund Ihrer Geschichten sollte jedoch der kultivierte Genuss stehen.

  • Wir suchen Stories, in den hochprozentige Spirituosen oder Cocktails eine wichtige Rolle spielen.
  • Wir suchen Stories, die uns etwas über die Länder erzählen, in denen ein Drink zu Hause ist.
  • Wir suchen Stories, die uns die Menschen näher bringen, zu denen ein Drink passt.
  • Wir suchen Stories, die uns das Besondere eines Drinks erklären, damit wir beim nächsten Barbesuch genau wissen, was wir wollen.
  • Wir suchen Stories, die man vorlesen kann, während das Publikum ihre Drinks genießt.
      1. Erfüllt Ihre Geschichte oder Ihr Krimi mehrere oder gar alle dieser Kriterien? Dann lesen Sie die Teilnahmebedingungen und reichen Sie uns Ihren Text über unser Autorenportal bis zum 29.02.2012 ein.

        Karen Grol | 20.11.2011 | S&F Magazin

        1 Kommentar

        1. Na dann Prost…!

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