Irisch-literarisches Whiskey Tasting in Stuttgart

Gepostet am Dez 12, 2010

Es duftete nach grünen Wiesen, nach Meer und gewiss nicht nach Torf. Über 110 Freunde des Hochprozentigen und/oder der kurzen Geschichten hielten ihre Nasen ins Glas.

Gastland der diesjährigen Stuttgarter Buchwochen war Irland. Neben irischen Autoren und englisch-sprachigen Lesungen durfte dann natürlich auch eins nicht fehlen: der Whiskey mit “e”. Johannes Scherer, Geschäftsführer des Baden-Würrtembergischen Landesverbandes des Börsenvereins und Experte für flüssige Lesungen, hatte eigens zu diesem Zweck 6 Single Malts ausgewählt und auch für den literarischen Part einen Profi engagiert, den SWR-Sprecher und Moderator Rudolf Guckelsberger. Fehlten nur noch die Geschichten …

… wer anders sollte helfen als STORIES & FRIENDS? Ich erlaube mir, uns kurzerhand zum Expertenverlag für kulinarische Geschichten zu ernennen. Grund genug, der flüssigen Lesung mit Büchertisch beizuwohnen.

Puh, 6 Whiskeys! Leider konnte ich nicht mittrinken, weil a) einer immer der Fahrer ist und b) ich gerade einem Schnupfen mit Allergietablette den Garaus gemacht hatte. Immerhin war ich niesfrei und die Nase trocken. Die Geschmacksnotizen stammen daher direkt aus dem Gaumen meines Begleiters und Gatten, der auch für die Fotos verantwortlich zeichnet.

Scherer eröffnete die Lesung im Buchcafé des Hauses der Wirtschaft mit einem 8-jährigen Greenore Single Grain. Süßer Honig und Aromen von Eichenholz machten es Whiskey-Anfängern leicht, die – in kleinen Häppchen verteilt – an diesem Abend auch den mehrstufigen Herstellungsprozess des Whiskeys kennenlernen durften. Guckelsberger las die großartige Story “Whiskey für den Weihnachtsmann” von John B. Keane und damit die einzige, die nicht aus unserem Aqua Vitae stammte.

Zu Höchstform lief Guckelsberger auf, als aus einem erfolglosen Theaterschauspieler und Mimen plötzlich ein gefürchteter Weihnachtsmann wurde, der einem Trunkenbold und gewalttätigen Ehemann den rechten Weg wies. Und bei mir stieg die Spannung. Welche Geschichten würde Guckelsberger aus unserem Whisk(e)ybuch lesen und vor allen Dingen, wie? Ich versprach dem Vorleser ein Gratisexemplar, wenn er sich tüchtig ins Zeug legt.

Irländische Storys sind in Aqua Vitae rar. So startete Guckelsberger mit Reinhart Hummels “Miese Zeiten” und Scherer servierte Bushmills Black Bush, der seinen Namen nicht zu unrecht trägt. Seine dunkle Farbe verdankt er Jahren in Sherryfässern und passt ausgezeichnet zu einem … nein, ich drücke es anders als der Autor aus … zu der Geschichtes eines Mannes, der sein Leben auf einem Bein meistern muss.

Ein altes irisches Sprichwort sagt, wenn ein Poet weint, fließen Tränen aus Whiskey. Writers Tears wurde zu Ehren dieser Künstler abgefüllt. Dreifach destilliert schmeckt er weich wie eben eine solche Träne, blumig wie eine irische Wiese und würzig wie ein Abend im Pub.

Nach dem poetischen Intermezzo las Guckelsberger “Der perfekte Augenblick” von Markus Niebios, mogelte was den Whiskey anbelangte und Scherer servierte – statt schottischem Dalmore – 12-jährigen Knappogue Castle, aus einer Destillerie, die sich dem Jahrgangswhiskey verschrieben hat. Ich denke, die kleine Änderung verzeiht der Autor, ich sowieso. Schließlich ist der edle ungefärbte Whiskey ein reiner Single Malt. Und sicher eignet sich auch diese Flasche ausgezeichnet um nervige Passagiere …

Jetzt wurde es wirklich irisch. Guckelsberger las Thomas Hockes und Armena Kühnes Duett “Whiskey in the Jar” – warum wohl, warum wohl – und als Scherer dazu einen 12-jährigen Redbreast servierte, fehlte nicht viel und das Publikum hätte im Chor mit Guckelsberger und der Gemeinde Killismock ein Gebet gesprochen: “Er ist gut, er ist gut!” Den Mund voll mit Eichennoten, Pfeffer und einem Hauch von Malz und Sherry.

Fast den Schluß bildete Fenna Williams “Goldenes Versprechen”. Die mörderische Schwester wählte als Schauplatz ihres Whisk(e)ykrimis eine schottische Destillerie, in der Flasche war ein Ire, doch dieser schmeckte nach Torf und Rauch, weichgespült mir rosa Heidekraut und Ahnungen von Honig und Eiche. Connemara Peated Single Malt aus dem Hause Cooley.

Welchen Whisk(e)y Sie für Ihren Truthahn oder Ihre Weihnachtsgans nehmen, bleibt Ihnen überlassen. Guckelsberger schloss mit Rezeptanweisungen für den Weihnachtstisch und war damit der einzige, der lallend den Saal verließ. Schon für diesen letzten Auftritt hatte er sein persönliches Aqua Vitae verdient und ganz nebenbei bewiesen, dass die AutorInnen von STORIES & FRIENDS ausgewiesene Whisk(e)y-Experten sind.

Für alle, die meinem Bericht bis hierhin gefolgt sind – ich gebe zu, ich habe mich nicht um Kürze bemüht, schließlich war es 23.00 als die Lesung schloss – also für alle Tapferen das Whisky-Truthahn-Video (nicht von Guckelsberger) zur Belohnung:

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