Ja bin ich denn der Lafer?

Gepostet am Mai 24, 2011

Von dem Abenteuer ein Kochbuch zu schreiben …

Unsere Autorin Elvira Lauscher hat im Herbst 2010 das Buch „Unser Kochbuch der 70er Jahre“ auf den Markt gebracht. Es ist aber nicht nur eine Rezept-Sammlung geworden, sondern ein Buch voller Erinnerungen. Darüber muss ich einfach mehr wissen. Wie kam es zu diesem Kochbuch, Elvira?

Eigentlich ganz unverhofft. Ich habe den Wartberg Verlag ein paar Monate vorher angeschrieben, da ich wusste, dass er Regionalbücher macht. Als gebürtige Ulmerin konnte ich mir die Arbeit an einem solchen Regionalbuch gut vorstellen. Ich hatte ja als Chefredakteurin des Ulmer Magazins „planet X“ fünf Jahre Erfahrung und viele Kontakte gesammelt. Meine Mail blieb erst Mal unbeantwortet – das ist für einen Schriftsteller ja Alltag. Doch dann kam ein Anruf von einer Lektorin im Hause Wartberg, die mich fragte, ob ich nicht ein Kochbuch schreiben wolle. Sie hatte gesehen, dass ich bei Stories und Friends bereits eine Schokoladen- und eine Kaffeegeschichte veröffentlicht hatte und vermutete daher eine gewisse Affinität zum Kochen und Genießen. Auf der journalistischen Plattform www.suite101.de habe ich außerdem bereits Rezepte veröffentlicht und ich passte „geburtstechnisch“ in die 70er Jahre.

Aber ein ganzes Buch ist ja schon eine ganze Menge. Wie bist du an die Rezepte herangekommen?

Das war tatsächlich nicht so einfach, denn es sollten ja authentische Rezepte sein, keine selbst erfundenen. Ich habe zuerst mal „in den Wald hineingerufen“, d.h. jeden mit dem ich irgendwie zu tun hatte, nach Erinnerungen und Familienrezepten der Vergangenheit gefragt und auch um Rezepte oder Bücher gebeten. Das ging so weit, dass ich sogar im Fitnessstudio mit Leuten in der Sauna über „Waldorfsalat“, „Königsberger Klopse“ und „Kalter Hund“ gesprochen habe. Das war aber auch sehr gut, denn da merkte ich erst, mit wie viel Begeisterung sich die Menschen an früher erinnerten. Ab da war ich auch vom Stoff gefesselt und habe den Verlagsvertrag unterschrieben.

Du hast ja viele der Bilder der Gerichte selbst gemacht.

Ja, das stimmt. Ich persönlich würde nur ein Kochbuch kaufen, in dem Bilder von den Gerichten drin sind. Die unbebilderten Gerichte probiert man oft nicht aus – jedenfalls geht mir das so. Da ich sowieso fast alle Gerichte (außer denen, die Familienrezepte von mir oder meinen engen Freunden waren) selbst nachgekocht habe, habe ich eben auch Fotos davon gemacht. Meine Familie wusste schon, dass der erste Teller der „Deko-Teller“ war und erst fotografiert werden musste. Eine Handlampe für die Beleuchtung war immer schon in der Nähe.

Neben den Bildern sind auch viele familiären Bilder der damaligen Zeit in dem Kochbuch enthalten.

Das hat mich besonders gefreut. Mein Vater war ein leidenschaftlicher Fotograf und ich habe unsere Dias und Fotoalben nach Bildern, die irgendetwas mit Essen zu tun hatten, durchsucht. Da ich im Laufe der Recherche über die 70er Jahre nicht nur persönliche Erinnerungen sondern auch zahlreiche Fakten entdeckte, konnte ich Kapitelweise vorgehen. Ich erinnerte mich zum Beispiel an unsere Fahrten nach Italien über die neugebaute Brennerautobahn. Als ich ein Bild unseres damaligen Autos mit dem mit Plastikfolie verschnürten Gepäck auf dem Dach fand, waren wieder alle Erinnerungen daran da. Wie mein Vater zum Beispiel bei jeder Rast geschaut hat, ob sich etwas gelöst hat oder eine Folie gerissen war. Beim Fahren waren auch immer Geräusche vom Dach und von den flatternden Teilen zu hören. Und dann die Benzingutscheine, ohne die man damals gar nicht nach Italien gefahren ist. Tja, heute ist da kein großer Unterschied mehr an den Zapfsäulen zu bemerken …

Welche Kapitel gibt es noch in deinem Buch?

Insgesamt sind es zwölf Kapitel geworden. Von dem Süßigkeiten aus unserer Kindheit „Raider, Brauner Bär und Zuckerhase“ über Weihnachtserinnerungen mit Kaufladen und Lametta an Weihnachtsbaum, bis zu Dosen- und Eierkapiteln, europäischer Küche und natürlich auch Getränken der Zeit wie „Tritop, Brause und Tequila“. Für ein Kapitel „Die 70er-Jahre-Party“ habe ich eine Party bei mir veranstaltet, auf der jeder Gast etwas Typisches mit Rezept mitbringen musste. Zuallerletzt gibt es noch ein Kapitel zur „Nouvelle Cuisine und Diätenwelle“, die damals begann. In meiner Familie hat man aber meist eher bürgerlich oder italienisch gekocht.

Wie sind die Reaktionen auf dein Buch und welche Erfahrungen machst du damit?

Menschen, die das Buch in der Hand haben, sind begeistert. Es wirkt wie eine kleine Zeitreise. Die nostalgischen Bilder, Gerichte der eigenen Kindheit und das 70er Design löst bei vielen Menschen etwas aus. Ich würde auch gerne daraus vorlesen, doch zu einer Kochbuch-Lesung kommen wohl eher weniger Menschen. Ich würde mich aber freuen, wenn trotzdem der „Erinnerungs-Virus“ ein bisschen um sich greifen würde. Es werden bei vielen Menschen Erinnerungen geweckt, die ohne das Buch nicht hochkommen würden. Das gefällt mir schon sehr. Es ist auch interessant, dass ich vor ein paar Jahren die Märchennovelle „Die Zauberin Klara“ geschrieben haben. Klara ist Küchenmagd und kann Gerichte genau so kochen, dass Menschen, die diese essen, wieder an bestimmt Ereignisse erinnert werden. Damals hätte ich nicht im Traum daran gedacht, jemals ein Kochbuch zu schreiben. Und dann noch eines, das auch „in die Vergangenheit reisen“ lässt.

Und was planst du als nächstes?

Ich habe im Frühjahr beim Wartberg Verlag das Manuskript für ein Ulm-Buch abgegeben. Es erscheint in diesem Herbst. Lustigerweise gibt es also doch noch von mir ein Buch über meine Geburtsstadt. Im Moment genieße ich es, mal keinen Zeitdruck zu haben, viel Sport zu machen etc. Untätig bin ich allerdings trotzdem nicht. Ich schreibe mit meinem Autorenkollegen Jörg Neugebauer an dem fünften Wortkunstlauf-Programm. Und dann versuche ich, einen Jugendroman fertig zu schreiben. Aber das ist eine andere Geschichte …

Dabei wünsche ich dir viel Glück, Elvira!

Elviras “Unser Kochbuch der 70er Jahre” ist im Buchhandel oder bei amazon für 19,90€ erhältlich (ISBN 978-3831323883).

Veröffentlichungen bei STORIES & FRIENDS
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