Drehbuchautor oder Statist … Ein Interview mit Kai Riedemann

Gepostet am Aug 6, 2010

Kai Riedemann. Ein bekannter deutscher Krimiautor erfand für sein weibliches Pseudonym eine Lehrzeit in einem Hotel an der Côte d’Azur, die Ausbildung zur Sommelière in London und eine Leidenschaft für die Corgi-Zucht. Mit derart exotischen Kapiteln kann mein Lebenslauf nicht dienen. Die nüchternen Fakten: geboren 1957 in Elmshorn (Schleswig-Holstein), Studium der Germanistik und Allgemeinen Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg, abgeschlossen mit einer Dissertation über die Comic-Strip-Serie “Peanuts”, nach einigen Semestern als Lehrbeauftragter inzwischen seit mehr als 20 Jahren tätig als Redakteur bei einer TV-Programmzeitschrift. Zu den redaktionellen Aufgabengebieten gehören vor allem Wissenschaft und Natur. Als Wahlhamburger lebe ich gerne an und mit der Elbe. Und das sogar ohne Hund, Katze, Hamster oder ähnliches. Familienstand laut Lohnsteuerkarte: ledig.


Lieber Herr Riedemann,
beantworten Sie uns doch ein paar Fragen …

Was ist Ihr Motto?
Versuche, der Drehbuchautor deines Lebensfilms zu werden. Aber sei nicht traurig, wenn es doch nur zum Statisten reicht.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung neben dem Schreiben?
Kann es daneben noch eine andere Beschäftigung geben? Vielleicht die Arbeit im Garten und das Spazierengehen in der Natur.

Woran schreiben Sie gerade?
An beruflichen Projekten für die Redaktion (wie z.B. “Das Wissen der Welt”). Für Literarisches ist nur im Urlaub Zeit, wobei jede Geschichte in möglichst einem Tag fertiggestellt sein sollte.

Was ist Ihr nächstes Ziel als Autor?
Ich habe als Autor keine Ziele. Was ich mit meinen Mitteln erreichen kann, habe ich erreicht. Alles andere wäre vermessen.

Welches Buch hätten Sie gerne geschrieben?
Egal. Hauptsache, es ist überhaupt ein Buch.

Mit welchem Buchhelden können Sie sich identifizieren
Mit Charlie Brown aus der Comicserie “Peanuts”. Schließlich hat er mich auch durch meine Promotion begleitet.

Wer sind Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Da fällt mir nichts ein. Helden in der Wirklichkeit sind vermutlich jene, die man nicht kennt.

Welchen Gegenstand müssen Sie anfassen, wenn Sie ihn sehen?
Kastanien.

Wer oder was inspiriert Sie zu Ihren Geschichten?
Ideal ist ein Ort, an dem man viel sehen kann. Irgendwo still herumsitzen, mit Block und Kugelschreiber, die Menschen beobachten. Wie sie aussehen, wie sie sich bewegen, was sie ausstrahlen. Das alte Haus, die Straße, die Stühle vor dem Café. Am besten morgens oder vormittags. In den Geschichten spiegeln sich natürlich auch persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, einige Personen haben reale Vorbilder, die mich inspirieren. Und ganz unromantisch: Ja, ich kann durchaus mal direkt am Computer schreiben, zielgerichtet und kopfgesteuert, wie eine Auftragsarbeit. Manchmal macht das sogar Spaß.

Was bringt Sie so richtig auf die Palme?
Rücksichtslosigkeit und Egoismus.

Wo haben Sie das Gefühl, völlig fehl am Platz zu sein?
In großen Menschenmengen fühle ich mich unwohl. Wenn 60000 Hamburger auf dem Fanfest der Fußball-WM grölen, Bier trinken und Fahnen schwenken, mag ich dieses Vergnügen nicht teilen.

Was haben Sie noch nie verstanden?
Mathematik. Deshalb sind vermutlich auch meine Geschichten fürs Buch “rätselhaft + wunderbar” durchgefallen.

Welche Fähigkeit hätten Sie gerne?
Ist unerschütterliches Selbstbewusstsein eine Fähigkeit? Dann hätte ich die gerne. Ansonsten bestelle ich die magischen Kräfte einer “Bezaubernden Jeannie”.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag den Platz tauschen?
Mit John Steed. Einmal an der Seite von Emma Peel einen mysteriösen Fall zu lösen, müsste traumhaft sein.

Was war der mutigste Moment in Ihrem Leben?
Der Tag, an dem ich diese Antworten formulierte.

Total überbewertet finde ich?
Alles, was als “Star” bezeichnet wird. Das gilt für “Star-Autoren” und ihre Bestseller genauso wie für TV-, Musik- oder Sportstars. Zumeist gibt es auf einen Star Hunderte, die mindestens ebenso gut sind, aber nie bekannt werden. Weil ihnen Glück, Beziehungen, Frechheit, Rücksichtslosigkeit oder Ehrgeiz fehlen.

Welche Leistung bewundern Sie am meisten?
Den Einsatz für Kranke, Alte und Sterbende. Weil so etwas in der heutigen Zeit nicht mal mehr innerhalb von Familien selbstverständlich ist, kann das gar nicht hoch genug bewertet werden.

Welches geliehene Buch haben Sie nicht zurückgegeben?
Ich leihe mir keine Bücher.

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Veröffentlichungen & Preise
Vielleicht aus jedem Bereich ein Beispiel:
Science-Fiction: Barfuß am Strand, in: Beteigeuze, Goldmann 1978
Rundfunklesungen: Zwanzig Jahre, in: Mitmenschen, WDR 1987
Kindergeschichten: Bärbel ist nicht da, in: …und jeden Samstag baden, Rowohlt 1987
Lyrik: Im Speicher, in: Denk, Maschine!, Heyne 1988
Schulbuchbeiträge: Strandgut, in: Unterwegs. Classe de Seconde, Hachette Paris 1988
Krimitheater: Ein Toter führt Regie, Hagebuttenbühne Uetersen 1990
Kabarett: Wahl? NaTÜRlich!, Hagebuttenbühne Uetersen 1998
Kindermusicals: Flunderland oder Wenn der Windgeist kommt, Hagebuttenbühne Uetersen 1995
Kriminelles: Die Cowboys gewinnen immer, in: Mord-Life-Crisis, Lerato 2007
Märchen: Weint nicht um das Mondkind, in: Wovon träumt der Mond, Wurdack 2008
Fantastisches: Das Tagebuch meiner Großtante, in: Wenn die Biiken brennen, Verlag einundsiebzig 2009

Veröffentlichungen bei STORIES & FRIENDS

Mehr über (K)ein Kochbuch: Gaumenkitzel

GaumenkitzelLavendel & Zitronengras100% SchokoladeMit allen SinnenAqua Vitae

1 Kommentar

  1. Respekt! Hab das auch gleich bei Twitter und Facebook gepostet – ich hab Sie mir irgendwie anders vorgestellt! ^^ Aber das was Sie antworten auf Lebenssituationen, hätte auch von mir sein können – voll cool!^^ Ich mag auch keine Massenveranstaltungen, Mathe finde ich voll uncool, ich leihe keine Bücher aus, sondern schreibe lieber selbst welche …
    ….. aber ich BIN die Bezaubernde Jeannie – !!!^^

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