The Bucket List – Von der Krise zur Kurzgeschichte

Gepostet am Jul 15, 2010

Bernd Köstering. Im Oktober 2005 wusste ich noch nicht, was eine »Bucket List« ist. Trotzdem stellte ich eine solche Liste auf, während ich nach einer Herzoperation auf der Intensivstation lag. Gibt es etwas, das ich unbedingt noch tun möchte, bevor es zu spät ist? Das war die Frage, die ich mir selbst stellte.

Ich ging mein Leben durch, sinnierte über wichtige Dinge, die ich erlebt und getan hatte, über gute Aktionen, Schulden und verpasste Chance. Was unter dem Strich zu tun übrig blieb: ein Buch. Ein Buch? Richtig, ich entschied mich, ein Buch zu schreiben. Zunächst dachte ich nur an das Schreiben selbst, nicht an eine Veröffentlichung. Und das war gut so, wenn man für sich selbst schreibt, ohne Druck, ohne Beeinflussung von außen, ohne Gedanken an Vermarktungschancen oder Verkaufszahlen, erst dann schreibt man wirklich.

Die Krankheit gab mir kurioserweise die Chance zum Schreiben. Vier Wochen Rehaklinik mit ausgeprägter Langeweile am Abend, das war meine Gelegenheit. Während andere Mitpatienten Karten spielten oder die Fernsehsender frequentierten, schaltete ich mein kleines Radio ein und fuhr den Laptop hoch. Diese Abende sind mir enorm in Erinnerung geblieben: die Freude beim Schreiben, die fast eigenständige Entwicklung von Figuren, von der ich so oft staunend gehört hatte, diese Zufriedenheit, wenn Seite um Seite Form annahm, wenn die Story sich ihrem fulminanten Ende näherte. Nach ein paar Tagen wusste ich, dass diese eine und einzige Position auf meiner Liste die Richtige war. Als ich drei Monate später wieder zu arbeiten begann, war das Buch fertig. Zumindest für mich. Wie viele Überarbeitungen noch folgen würden, bis die Lektorin es akzeptierte, konnte ich damals nicht ahnen.

Zwei Jahre später, wieder genesen und guter Laune, baten mich meine Töchter, mit Ihnen ins Kino zu gehen, obwohl sie wussten, dass ich kein großer Kinogänger bin und schon manchmal mitten im Film nach Hause gehe. Der Streifen sei wirklich gut, meinten sie, und sie würden mir auch eine Tüte Chips spendieren. Ich stimmte schließlich zu, meinen Töchtern kann ich sowieso fast nichts abschlagen.

„Das Beste kommt zum Schluss“. Das war der Titel des Films. Mit Jack Nickolson und Morgan Freeman, den einen mag ich gar nicht, den anderen finde ich genial. Eine brisante Mischung, doch ich habe es nicht bereut. Danach wusste ich, was eine »Bucket List« ist. Im Amerikanischen heißt das: 100 things to do before you die. Ich hatte mich auf nur eine Sache konzentriert. Die Amerikaner übertreiben es ja sowieso immer.

Durch Nickolson und Freeman mit zusätzlichem Mut versehen, begann ich, mich intensiv mit Literatur zu beschäftigen und stieß auf ­ Kurzgeschichten. Nie hatte ich gedacht, dass mich dieses Genre interessieren würde. Doch kaum bekundete ich bei einem Literaturforum öffentlich, dass ich Kurzgeschichten nicht leiden konnte, fing ich an, mich wirklich dafür zu begeistern. Und während das Buch auf seine Vollendung wartete, floss eine Kurzgeschichte aus meiner Feder. So ganz nebenbei. Der erste Versuch bei einem Wettbewerb war nicht schlecht – aber auch nicht wirklich gut. Die Lektorin machte mir Mut, ließ mich wissen, was zu verbessern sei. Das half. Im zweiten Versuch der Erfolg. Mit Glück – aber auch mit der richtigen Idee dahinter. The Bucket List – von der Krise zur Kurzgeschichte.

Bernd Köstering, 10.06.2010

Zum Autoren-Interview mit Bernd Köstering.

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