Maria Maroge – Von der Bedeutung, seine Wurzeln zu kennen

Gepostet am Jan 6, 2013

Geboren 1977 in Giessen, liegen die Wurzeln Maria Maroges im Orient, dem alten Mesopotamien. Ihre Muttersprache ist aramäisch. Diese wertvollen Überreste eines als ausgestorben geglaubten Volkes versuchen sie und ihr Mann auch ihren beiden Kindern weiterzugeben. Dennoch ist es die deutsche Sprache, mit der sie ihr Lebensgefühl zwischen zwei Kulturen besser zum Ausdruck bringen kann. Nach dem abgeschlossenen Germanistik- und Politikwissenschaften-Studium an der Universität Stuttgart zog es sie in den journalistischen Bereich und in die Öffentlichkeitsarbeit nach Heilbronn (Pressesprecherin im öffentlichen Dienst) - um mitunter auf ihre vergessene syrisch-orthodoxe Minderheit aufmerksam zu machen.

2012 veröffentlicht sie bei STORIES & FRIENDS ihre erste Kurzgeschichte.

Ich habe Maria Maroge in 2012 persönlich kennenlernen dürfen. Schließlich leben wir beide in der Region Heilbronn. Wir haben uns zweimal in Heilbronn zum Mittagessen getroffen und ich habe viel über Maria Maroge und ihre Wurzeln erfahren dürfen. Daher freue ich mich, sie in diesem Interview vorstellen zu dürfen.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung neben dem Schreiben?
Lesen, Ballett, Jazz, Theater, Arthaus-Kino, Fotografieren

Was Ihr (Lebens-)Motto?
"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden" (Franz Kafka) und "Wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt. (Joseph von Eichendorff)"

Woran arbeiten Sie gerade?
An einer Kurzgeschichte über eine stille Liebe

Was ist Ihr nächstes Ziel als Autor?
Ich möchte einige Kurzgeschichten schreiben und im nächsten Schritt einen Familienroman.

Welches Buch hätten Sie gerne geschrieben?
„Die dunkle Seite der Liebe“ von Rafik Schami. Es ist leidenschaftlich, fesselnd, märchenhaft und doch sehr authentisch. Und: „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer. Eine erfrischende, moderne Liebesgeschichte mit klugen und witzigen Dialogen und hohem Identifikationspotenzial.

Wer ist Ihr Held in der Wirklichkeit?
Rafik Schami. So höflich und bescheiden, und doch so inspirierend, humorvoll, individuell und engagiert für sein Volk in Syrien; ist in einem fremden Land seinen eigenen Weg gegangen und hat mutige Entscheidungen getroffen, die zum Erfolg führten.

Welchen Gegenstand müssen Sie anfassen, wenn Sie ihn sehen?
Stoffe. Meine Mutter ist Schneiderin. Bereits als Kind hatte ich das Glück, umgeben zu sein von bunten, herrlichen Stoffen und mir die wunderbarsten Prinzessinenkleider nähen zu lassen. Das schärfte mitunter meinen Sinn für Qualität. Wenn beim Shoppen Kleidungsstücke den „Fühltest“ nicht bestehen, werden sie trotz ästhetischer Anziehungskraft nicht an die Kasse getragen. Mein Lieblingsstoff? Ganz klar Seide.

Wer oder was inspiriert Sie zu Ihren Geschichten oder wen oder was brauchen Sie zum Schreiben?
Meine aramäisch-assyrische Wurzeln (Mesopotamien) sowie die Erfahrungen von Familie und Freunden. Heimatlos zu sein bedeutet, sich immer wieder neu finden zu müssen. Stoßen zwei grundverschiedene Kulturen aufeinander, entsteht jede Menge Erzählstoff und -bedarf.

Was bringt Sie so richtig auf die Palme?
- Unehrlichkeit, mangelnde Gastfreundschaft und Geiz
- Die starre Anonymität und Distanziertheit, die insbesondere Deutsche oft verkrampft pflegen
- Männer, die keine Gentlemen sind.

Wo haben Sie das Gefühl, völlig fehl am Platz zu sein?
Auf einer Bühne. Ich mag es nicht, wenn Blicke auf mich gerichtet sind. Ich leide Zeit meines Lebens an Lampenfieber.

Was haben Sie noch nie verstanden?
Wenn es Menschen an Empathie und Rücksicht mangelt.

Welche Fähigkeit hätten Sie gerne?
Vollendet Ballett tanzen und erfolgreich schreiben.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag den Platz tauschen?
Mit einer ungebundenen Weltreisenden und der Myself-Chefredakteurin.

Was war der mutigste Moment in Ihrem Leben?
Die ersehnte Unabhängigkeit mit einem frühen Ehegelübde einzutauschen. Ich war 21 Jahre alt. Und es war die richtige Entscheidung.

Total überbewertet finde ich?
- Das historische Trauma der Deutschen und die daraus resultierenden Reaktionen, wie etwa auf angeblich rassistische Bemerkungen deutscher Promis.
- Ebenso die ausgeprägte „Political Correctness“ vieler, die aus kleinen Fehltritten von Politikern und Co. Staatsaffären machen.
- Extremen Feminismus, der aus richtigen Männern, verweiblichte Frauenversteher-Typen hervorgebracht hat.

Welche Leistung bewundern Sie am meisten?
Ehrenamt in Krisenregionen.

Welches geliehene Buch haben Sie nicht zurückgegeben?
Von Stefan Zweig „Schachnovelle“ und Khalil Gibran „Der Prophet“. Dafür diese schon aber 20 Mal verschenkt in den letzten 15 Jahren.

Veröffentlichungen bei STORIES & FRIENDS
Pianisten kommen und gehen, Hugo bleibt. Spirits (2012), Elke Schleich und Olaf Trint (Hrsg.).

Spirits

S&F Magazin | 06.01.2013 | Karen Grol

1 Kommentar

  1. Schönes Interview mit einer schönen und intelligenten Frau.

    Liebe Grüße aus der Mainmetropole.

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