Mehr Blick – Diana Wiesers Sommerlesetournee 2013 – Teil 1

Gepostet am Aug 12, 2013

Mehr Blick Sommerlesetournee 2013
 
 
5. Juni 2013
Warm-up: SWR-Studio in Ulm
 
Ciao Italia – oder: Schwitzen für Literatur
 
Mehr Blick ist gerade druckfrisch im Ulmer Buchhandel angekommen. Einen Tag vor meiner Pressekonferenz beginne ich mit einem Warm-up im SWR-Tonstudio. Die Atmosphäre ist angenehm, entspannt. Die sympathische Moderation Anita Schlesak fragt mich in meinem Radiointerview, was die Arbeit einer Autorin ausmacht. Ich antwortete: „10 Prozent Inspiration, 90 Prozent Transpiration“. Zu diesem Zeitpunkt ist mir noch nicht klar, wie wortwörtlich dies auf meine Sommerlesetournee zutreffen wird … meine erste Ulmer Lesung halte ich bei 30,2 Grad und die letzte bei 35,8 Grad!!! Die restlichen Veranstaltungen pendeln temperaturtechnisch zwischen beiden Werten.

Motto: SCHWITZEN FÜR DIE LITERATUR!
Aber alles schön der Reihe nach …
 
 
Mehr Blick Im alten Hobel Aalen
 
12. Juni 2013
Location: Im Außenbereich der Aalener Kneipe Zum alten Hobel
Aussichten: Heiter bis wolkig, ca. 20 Grad
 
Lichte Momente in dunklen Gassen – Lesung mitten in der historischen Fußgängerzone der Aalener City!
 
Eine enge, schattige Gasse mitten in der Aalener Innenstadt, meinem Geburtsort. Kneipen reihen sich dicht aneinander. Vor dem historischen Fachwerkhaus Zum Alten Hobel wird unter Sonnenschirmen und neben eisgekühlten Drinks ein Lesungstisch aufgebaut. Hier findet meine erste Mehr Blick-Lesung statt. Ein wenig unruhig bin ich. Es ist etwas ganz anderes, vor Laufpublikum zu lesen, den flanierenden Menschenstrom im Hintergrund auszublenden, all die Geräusche, und trotzdem ganz nah bei meinen Geschichten zu bleiben. Eine gute Übung für mich als Autorin. Zudem habe ich Rückendeckung – in Form einer guten Mikro-Anlage und meiner langjährigen Freundin Ebru Kaya, der Geschäftsführerin der Kneipe.

Die Einstiegsgeschichte hat für mich und Ebru einen sehr persönlichen Bezug: Raub der Helena von Troja auf der Spanischen Treppe in Rom. Wir waren erst vor wenigen Wochen zum zweiten Mal zusammen in Rom gewesen und verbinden viele persönliche Erinnerungen mit der Ewigen Stadt. So höre ich immer wieder Ebrus herzliches Lachen, wenn sie eine Szene mit autobiografischen Hintergrund erkennt (Stichwort: Schattentheater im Kolosseum). Die Lesung vergeht wie im Flug. Ebru hat sich zudem die Mühe gemacht, kulinarische Häppchen zu den einzelnen Ländern meines Buches für die Zuhörer zu kredenzen. Von Paella über Tomate-Mozzarella bis hin zu After Eight. Ideen, die sehr gut ankommen!

Im Anschluss erhalte ich ein schönes Kompliment. Ein Gast, der eigentlich nur kurz auf ein Bier vorbeischauen wollte, hat die ganzen eineinhalb Stunden gelauscht und wirkt nun sehr nachdenklich. „Das ist mir auch passiert, sogar zwei Mal: Dass ich mit einer Frau in den Urlaub gefahren bin und alleine nach Hause kam. Es stimmt, im Urlaub gerät viel in Bewegung.“

Ein tolles Gefühl, wenn einem die Zuhörer die Intention des eigenen Buches bestätigen. Wir unterhalten uns lange. Als ich zwei Stunden später nach lockerem Small-Talk mit alten und neuen Bekannten aufbreche, sitzt er immer noch an der Bar und lauscht, aber diesmal wohl in sich hinein.
Mehr Blick ist beim Publikum angekommen.

Und bei der Presse: „Lichte Momente in dunklen Gassen“ titulieren die Aalener Nachrichten meine Lesung. Ich bin glücklich, erleichtert, motiviert.

Auf zu neuen Ufern und neuen (Lese-)Abenteuern!
 
 
Feng Shui Garten enerChi-Institut für Körper & Geist Ulm  Sommerlesetournee 2013
 
19. Juni 2013
Location: Feng Shui Garten, enerChi-Institut für Körper & Geist Ulm
Aussichten: Wolkenlos, 30,2 Grad, von exotisch-grüner Pflanzenwelt umgeben.
 
Read and Relax: Der Feng Shui Garten des enerChi Instituts verströmte passendes Urlaubsfeeling! Ob in der Strandliege oder unter der überdachten Terrasse – hier fand jeder Zuhörer ein „lauschiges“ Plätzchen …
 
Auch bei meiner ersten Lesung im Ulmer Raum habe ich das große Glück, in familiärer Atmosphäre zu lesen, mit Geschäftskollegen, die zu Freunden geworden sind. Im Feng Shui Garten haben enerChi-Inhaberin Katja Häufele und ich schon manche verwegene Idee entworfen. Nicht nur für die Zeitschrift wellnetz, unserem gemeinsamen journalistischen Projekt. An diesem kreativen Hot Spot geben sich alternative Geister aller Couleur die Türklinke in die Hand.

Der Garten bietet die perfekten Rahmenbedingungen für eine Outdoor-Lesung. Schattige, verwinkelte Plätze, abgeschirmt und ruhig, um der Literatur zu lauschen. Der geneigte Zuhörer kann sich entweder auf den stylishen Lounge-Möbeln der Terrasse niederlassen oder sich in einen Liegestuhl zwischen Rosensträuchern und chinesischen Farnen platzieren. Natur nach individuellem Gusto!

Für die Soundanlage und die lässige Hintergrundmusik sorgt DJ Funkoholic, auf dessen Funk My Soul Partys ich so manches Mal die Nacht zum Tage gemacht habe. Die Atmosphäre ist extrem entspannt und kommt dem Begriff Reiseliteratur so nahe wie nur irgend möglich. Diesen Lesungsabend werde ich als einen der schönsten in Erinnerung behalten.

Die exotische Wellnessatmosphäre des Gartens wird um weitere Deko-Elemente ergänzt, ein reichhaltiges Getränkebuffet bietet Erfrischung für Körper und Geist. Dazu herzliche, persönliche Worte von Katja Häufele, die mich zu Beginn der Lesung vorstellt. Weil die Atmosphäre so ruhig ist und die Zuhörer dementsprechend motiviert lauschen, kann ich an diesem Abend auch etwas längere Geschichten lesen. Ein Paar am Scheideweg, das sich seiner Gefühlslage am Ende der Welt, dem Cabo Sao Vicente, stellen muss. Ein alternder Gondoliere und das Wunder der Liebe. Eine phantastische Innenweltreise mit Mehr Blick als erhofft …

Das Feedback der Zuhörer ist überwältigend. Von „Du bist ja ganz in deinen Geschichten aufgegangen” – ich fühlte mich wirklich räumlich und zeitlich versetzt – bis zu „atemberaubend unterhaltsam“ – so lautet die Headline eines Artikels, der wenig später im Lebensfreude Magazin über die Lesung veröffentlicht wird.

Ich komme mit vielen Leuten ins Gespräch, wir diskutieren über die Geschichten. Ein feinsinniger Austausch zwischen Reflektieren und Anregen – perfekt! Einzig auf die blinden Passagiere, die uns ab 21.30 Uhr auf unserer Lesereise begleiten und uns so manchen Stich versetzen, hätten wir getrost verzichten können. Dennoch tut dies der Stimmung keinen Abbruch.

Ein Zitat aus meinem Buch, auf das ich besonders häufig angesprochen werde, lautet: „Das Leben wird nicht in der Anzahl der Jahre gemessen, sondern in der Anzahl der Augenblicke, die uns den Atem rauben.“ Der Lesungsabend im enerChi hat mein Lebensalter folglich um einige „Jahre“ bereichert … ;-)
 
 
Diana Wieser | S&F Magazin | 12.08.2013 | Fortsetzung: Teil 2.

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