Süßer Speck und Sterneküche

Gepostet am Mrz 7, 2011

GOURMAND WORLD COOKBOOK AWARDS und die COOKBOOK FAIR in Paris. Vom 2. bis zum 6. März trafen sich Köche, Verleger, Food-Designer, Winzer, Autoren, Fotografen, Kritiker und Genießer aus der ganzen Welt, um zu sehen, was an Neuem auf dem Kochbuchmarkt geboten wird, um sich zu zeigen, um miteinander zu sprechen, Geschäfte zu machen und natürlich um zu genießen. Auf der Empore präsentierten sich die Verlage mit ihren Ständen. Im VIP-Bereich lud die Ausstellung der Award Finalisten zum Stöbern ein. In drei Küchen wurde fast rund um die Uhr gekocht und gegessen, an der Bar Wein, Champagner und auch mal Cognac probiert, an den Verkaufsständen leckere Köstlichkeiten zum Probieren angeboten.

Meine Entdeckung der Messe war kein Buch, nicht ein Champagner, der Merlot aus Südafrika, die Küche aus Malaysia oder die eines Chefs aus Indien. Nein, es war der süße Speck! Ja, richtig gelesen. Speck! Er duftete nach Rosen, wahlweise nach Orangen und schmeckte nach Kindheit, Zufriedenheit und Glück. Er erinnerte mich daran, wie ich als Kind von der Schule heimkehrte, nicht ohne am Kiosk zu halten und eine Tüte Speck zu kaufen. Und auch jetzt konnte ich nicht am Stand der jungen Konditorinnen vom Lycée Hotelier de Guyancourt vorbeigehen, ohne ein Stückchen Speck zu stibitzen.

Speck hätte auch den Abend versüßt. Der Höhepunkt der Messe war sicherlich die Award Verleihung, die dieses Jahr wegen der 1200 gemeldeten Gäste im Folies Bergère stattgefunden hat. Höhepunkt?! Drei Stunden dauerte das Defilieren der Preisträger auf der Bühne, drei Stunden, von denen ich zunächst befürchtete, sie würden nie vorübergehen. Doch zu sehen und zu hören, was die Gewinner zu sagen hatten, war überraschend kurzweilig. Amüsant war zu sehen, wer in welcher Kategorie gewann. Das beste Kochbuch der französischen Küche kommt aus den USA, das zur toskanischen Küche aus den Niederlanden, das skandinavischen Kochbuch aus United Kingdom. Deutsche Küche scheint es in der Kategorie World Cuisine gar nicht zu geben, wen wundert es dann noch, dass der Argentinier Chakall Deutschlands bestes TV-Kochbuch bekocht und der deutsche Verlag 99 pages mit französischen Baguette brilliert? Nur im Brot Backen bleiben die Deutschen dank Heiko Antoniewicz und dem Matthaes Verlag einsame Spitze.

In der Kategorie Best Food Literature Book, auf deren 22-Buch-starken-Longlist unser Gaumenkitzel Deutschland vertrat, konnte unser Kochbuch sich leider nicht durchsetzen. Die ersten vier Ränge belegen Bücher von Köchen und Kritikern. Fiktionale Literatur steht nun einmal auf einem Kochbuchfestival nicht im Vordergrund und so machte es sich unser Gaumenkitzel wie auch Martin Suters Der Koch, der die Schweiz vertritt, eben in den hinteren Rängen gemütlich.

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