Rost, Gehirnwindungen und Batterien

Gepostet am Jul 19, 2010

Das moralische Auf und Ab beim Schreiben oder: Zwei Tipps, wie ich meine Batterien wieder auflade

Wer kann nicht selbst auch mindestens ein Dutzend Anlässe aufzählen, warum’s beim Schreiben mal wieder stockt? Der Spannungsverlauf knickt ab, meine Lektorin findet, dass ich zu viele Redensarten verwende, meine Hauptfiguren tun nicht, was ich will, … Es wäre ja fast zum Verzweifeln – wenn ich nicht meinen Mörser hätte!

Bei leichteren Problemen nehme ich mir Pfeffer, Kreuzkümmel, Koriander oder Anis vor: Kaum fange ich an, sie zu mörsern, lösen sich die ersten geistigen Verspannungen. Bei Schwierigkeitsgrad zwei zerkleinere ich Wohlfühlgewürze wie Meersalz oder Zitronenschale, am besten zusammen mit Olivenöl, und schon wirbeln sie mir mit ihrem herrlich-frischen Aroma das Hirn frei. Bei Stufe drei ist das Ziel, selbst Zimtrinde oder getrocknete Lorbeerblätter pulverfein hinzukriegen – dann nämlich schmerzen die Oberarmmuskeln mehr als meine malträtierten Gehirnwindungen!

Mittlerweile besitze ich Mörser in allen Größen und Materialien (Marmor, Porzellan, Olivenholz, Granit), so dass ich je nach Art des gedanklichen Boxenstopps auswählen und gegenarbeiten kann! Sie glauben gar nicht, wie viele verschieden Curryrezepte ich während der Entstehungszeit eines Romans ausprobiere!

Eine weitere Methode, eingerostete Hirnwindungen wieder in Schwung zu bringen, habe ich in meinem Lieblingshotel in Österreich entdeckt: Das Alpenresort Schwarz in Tirol (http://www.schwarz.at) bietet mit seiner Mental-Oase im Spa-Bereich einen Meditationsraum an, in dem man in beheizten Schwebesitzen baumelt – leise Musik und Lichtspiele verstärken den Entspannungsprozess – plötzlich ist alles gut!

Und bis ich mich versehe, taucht hinter meinen geschlossenen Augen, aber vor der Haustür meiner Hauptperson, an einem stürmischen Herbsttag eine Frau auf, die per Radio und Fernsehen als vermisst gesucht wird. Die rüstige Seniorin behauptet, dass in dem Haus, in das Conny und ihr Mann Christopher gerade eingezogen sind, ein Tagebuch versteckt ist. Conny wittert die Chance ihres Lebens, mit diesem Fund ihren Durchbruch als Kunsthistorikerin zu schaffen, wenn das Tagebuch tatsächlich mit einem Gemälde von Edouard Manet zusammenhängt. Wären da nicht noch ein paar Querschläger eingebaut!

So, jetzt schreibe ich mit neuer Kraft weiter an diesem zweiten Roman, in dem es meine Conny aus “Bauchspeck, Frust und Liebeskummer” aus dem Süden Deutschlands in den hohen Norden verschlägt und das geheimnisvolle Tagebuch die Leser ins Paris des späten neunzehnten Jahrhunderts entführt. Mal sehen, wie oft ich auf Mörser und Schwebekissen zurückgreifen muss!

Lesen Sie auch das Interview mit unserer Gaumenkitzel-Autorin:

http://www.kejwal.de

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