Vom Fussballprofi zum Schriftsteller

Gepostet am Jun 26, 2012

Ulrich BorchersUlrich Borchers. Geboren 1961 in Flensburg und als Nordlicht auch nie so richtig weggewollt und weggekommen. Fußballprofi klappte nicht (den Traum hat er mit elf Jahren aufgegeben), Lehrer wollte er irgendwann nicht mehr, und so wurde er Verwaltungsbeamter bei den Punkten im Kraftfahrt-Bundesamt. Seit ca. drei Jahren schreibt er Kurzgeschichten, mit denen er sich an Literaturwettbewerben und Anthologieausschreibungen beteiligt.


Lieber Herr Borchers,
beantworten Sie uns doch ein paar Fragen …

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung neben dem Schreiben?
Im Straßencafé sitzen und Menschen beobachten, Wandern, Reisen, Theater.

Woran arbeiten Sie gerade?
Eine Kurzgeschichte zum Thema Lynchjustiz. Erschreckend was aus Selbstgerechtigkeit entstehen kann.

Was ist Ihr nächstes Ziel als Autor?
Eine eigene Anthologie mit Kurzgeschichten.

Was Ihr Lebensmotto?
Shit happens. Aber auch: Wer gute Löcher gräbt, bekommt zur Belohnung eine größere Schaufel.

Welches Buch hätten Sie gerne geschrieben?
“Mit brennender Geduld” von dem chilenischen Schriftsteller Antonio Skármeta. Es erzählt in wunderbaren Worten von Freundschaft und Poesie, wie eine schöne Melodie. Ein Buch, das keinen Trommelschlag braucht, um zu fesseln.

Mit welchem Buchhelden können Sie sich identifizieren?
Hauptmann Karotte. Terry Pratchett-Fans wissen Bescheid.

Wer ist/sind Ihr/Ihre Held(en) in der Wirklichkeit?
Günter Netzer war als Kind mein Held, irgendwann mal Willy Brandt. Jetzt brauche ich keine mehr.

Welchen Gegenstand müssen Sie anfassen, wenn Sie ihn sehen?
Einen Ball. Vernünftigerweise trete ich nicht mehr dagegen, aber das Verlangen ihn anzufassen, werde ich wohl nie verlieren.

Wer oder was inspiriert Sie zu Ihren Geschichten oder wen oder was brauchen Sie zum Schreiben?
Mir reicht ein Wort, eine Idee. Und das kann überall und zu jeder Zeit passieren.

Was bringt Sie so richtig auf die Palme?
Gerechtigkeitsdiskussionen. Entweder sind sie von persönlichen Gerechtigkeitsempfinden geprägt, das als ultimative absolute Wahrheit empfunden wird, oder wenn es ganz schlimm kommt reduzieren sich die Forderungen darauf, dass es ja keinem besser gehen darf. So nach dem Motto: Wenn es allen gleich schlecht geht und keiner Vorteile oder einfach nur mehr hat… das ist gerecht. Ach was reg ich mich auf, eigentlich sollten einen nur Kokosnüsse auf die Palme bringen.

Wo haben Sie das Gefühl, völlig fehl am Platz zu sein?
Castingshows.

Was haben Sie noch nie verstanden?
Neid.

Welche Fähigkeit hätten Sie gerne?
Faschisten zur Vernunft zu bringen … vielleicht sollte ich mir was Realistisches wünschen: Zaubern können!

Mit wem würden Sie gerne einen Tag den Platz tauschen?
Eigentlich mit jedem anderen Menschen, vielleicht vorzugsweise einer Frau. Einfach mal erleben wie jemand anderes denkt, fühlt, empfindet … irrer Gedanke.

Was war der mutigste Moment in Ihrem Leben?
Jeder Zahnarztbesuch.

Total überbewertet finde ich?
Die nunmehr wechselnde maskuline und feminine Benennung von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Irgendwie ist das Wetter durch die geschlechtergerechte Formulierung auch nicht besser geworden.

Welche Leistung bewundern Sie am meisten?
Mich faszinieren sportliche Höchstleistungen. Grenzen zu erreichen und evtl. sogar darüber hinaus zu wachsen.

Welches geliehene Buch haben Sie nicht zurückgegeben?
Das werde ich hier auch gerade noch verraten.

Letzte Veröffentlichungen
Zahlreiche veröffentlichte Kurzgeschichten, wie zum Beispiel „Sieben Leben“ in „Er streichelt seine Katze mehr als mich“.
Würdigungspreis im Wettbewerb des Literaturblogs “Der duftende Doppelpunkt” zum Thema Literatur der Arbeitswelt

Veröffentlichungen bei STORIES & FRIENDS
Zu zweit am Strand in Odense. Spirits (2012), Elke Schleich und Olaf Trint (Hrsg.).

Spirits

S&F Magazin | 26.06.2012 | Karen Grol

1 Kommentar

  1. ein wunderbares Interview – ich habe schallend gelacht.

    Mehr davon!

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