Was ein Autor von einem Mediator lernen kann – Teil 2

Gepostet am Jul 27, 2011

Maike Braun wurde 1962 in Reutlingen geboren. Nach einem Studium der Naturwissenschaften in Cambridge, England, arbeitete sie acht Jahre in einer internationalen Unternehmensberatung. Sie lebt heute in Hamburg, ist verheiratet und hat drei Kindern. Inzwischen ist sie ausgebildete Mediatorin, seit Januar 2002 selbständige Unternehmensberaterin und Autorin. Was das Schreiben fiktiver Geschichten mit der Arbeit einer Mediatorin gemein hat, hat sie uns erklärt.

Teil 2

Zum Teil 1.: Über die Allparteilichkeit.

Was aber, wenn meine Geschichte nicht daran scheitert, dass ich keine passende Beschreibung finde oder in Klischees denke, sondern daran, dass ich gar nicht erst den richtigen Zugang dazu finde? Was, wenn ich völlig blockiert bin? Auch hier helfen die Techniken eines Mediators weiter.

Zu Beginn einer Mediation schildern die Konfliktparteien nacheinander, worum es geht und was sie jeweils gerne klären möchten. Als Mediator spiegele ich im Anschluss, was ich gehört und verstanden habe. Das heißt ich wiederhole (in verkürzter Form), was mir die Beteiligten erzählt haben. Häufig verwende ich sogar dieselben Begriffe. Das dient dazu, eine gemeinsame Basis herzustellen und sicherzugehen, dass ich alles Wesentliche aufgenommen habe. Darüber hinaus ist das Spiegeln immer dann wichtig und hilfreich, wenn sich einer der Konfliktpartner noch nicht so recht öffnen mag, wenn das Gespräch stockt. Und hier wären wir bei der Parallele zum Schreiben.

In meiner Erfahrung rührt eine Schreibblockade häufig daher, dass ich zwar viele Ideen und Gedanken zu einer Geschichte habe, diese aber noch nicht richtig zusammenpassen und mir den Blick auf das Ganze verstellen. Ich weiß nicht, wo ich mit meiner Geschichte hin will. Das Gefühl, das ich als Autorin dabei habe, ist sehr ähnlich dem Gefühl, in einer Mediation zu sitzen, in der das Gespräch zwischen den Konfliktparteien nicht so recht in Gang kommen will. Der Schritt zwischen der aktuellen Gefühlswelt der Beteiligten und dem Ziel, gemeinsam konstruktiv über Lösungen nachzudenken, ist zu groß. Genau wie der Schritt zwischen meinen ersten Ideen und einer fertigen Geschichte zu groß ist. Und genau wie in der Mediation hilft hier das Spiegeln.
Es ist, als ob ich einen imaginären Gesprächspartner bitte, mir doch mal den Sachverhalt zu schildern. Ich beginne damit aufzuschreiben, was ich über die Geschichte bereits weiß. Das sind häufig Fakten und Details zum Beispiel zur Vorgeschichte einer der Figuren. Wann wurde sie geboren, wann hat sie geheiratet,

S&F Magazin | Maike Braun | 18.07.2011

Bei Fragen oder Kommentaren kann man Maike Braun über mail@mbautorin.de erreichen. [Homepage der Autorin]

1 Kommentar

  1. Netter Blog, mundet mir.

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