Wer sitzt auf den DREI STÜHLEN?

Gepostet am Mai 24, 2013

Wer kennt sie nicht, die blauen Stühle, die auf Kreta vor jeder Taverne stehen? Wenn sie sprechen könnten, wüssten sie gewiss viel zu berichten, zum Beispiel vom schlichten, aber genussvollen Leben auf der griechischen Mittelmeerinsel. Vielleicht würden sie uns auch erzählen, wer auf ihnen gerade sitzt, und warum ihnen das ganz und gar nicht gefällt.

»Alles klar, Jungs?« O Prótos stöhnte unter seiner Last.
»Ich hoffe, meine Leiste hält durch«, klagte Taxidiótis.
»Geht schon«, piepste Mirkrós, der kleinste der DREI STÜHLE.

Wissen Sie es? Wir freuen uns auf Ihre kreativen Ideen.

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Die Gewinner des Wettbewerbs:
Elevtheria Marinaki, Petra Gugel, Kai Riedemann, Heike Wolff und Jutta Schöps-Körber.

24.05.2013 und 17.06.2013| S&F Magazin | Karen Grol

22 Kommentare

  1. Ein Auswanderer aus Deutschland, mitten im Mai dem Winter entflohen, mit drei dicken Koffern, die er auf den Stühlen abstellt.

  2. Auf den drei Stühlen nehmen Vertreter der Griechenland Troika Platz. Für die Europäische Kommission José Manuel Barroso, für die Europäische Zentralbank Mario Draghi und für den Internationalen Währungsfond Christine Lagarde. Klar, dass die Stühle bei dieser Verantwortung ächzen.

  3. Heute morgen hat eine Katze zwei Kleine auf die Welt gebracht. Es könnten noch mehr werden. Eines hat schwarz/weiße Flecken, auch das Gesichtchen ist geteilt in schwarz-weiß. Und das zweite ist schwarz, da gerade erst geboren, konnte ich den Bauch noch nicht erkennen, ob er ein wenig Weiß ist (?) Drum könnte ich mir vorstellen, wenn die beiden ein wenig größer werden, dann liegt Mama auf einem Stuhl und jeweils eins der Kleinen auf einem anderen und spielen unter Beobachtung von Mama mit dem Geflecht des Stuhls. Rupfen mal hier und mal da. Ich werde berichten, ob es mehr werden, dann muss Mama sich den Stuhl teilen :-)

  4. Wie wäre es mit einer Reise in die Mythologie? Göttervater Zeus, der in der Ida-Höhle auf Kreta geboren wurde, sitzt auf dem mittleren. Zu seiner linken sitzt Apostel Paulus, der in Kali Limenes an Land ging, um sich vor Stürmen zu schützen. Und zu seiner Rechten Alexis Sorbas, der auf Kreta seinen Freund das Glück lehrte.
    Die drei hätten sicher viel zu erzählen…

  5. Auf den drei Stühlen könnten sitzen: Ein(e) über Neunzigjährige(r), ein Archäologe und eine(r) Jugendliche(r). Die ältere Person könnte berichten, was sich im vergangenen Jahrhundert in einem Dorf, einer Stadt, auf der Insel verändert hat. Der Archäologe bringt tausende von Jahren der vergangenen Zeit zum Vorschein, durch die Fundstücke, Paläste usw. die auf der Insel ausgegraben wurden. Der Jugendliche erzählt vom Hier und Jetzt. Ich kann mir vorstellen, dass es viele Parallelen gibt, die in jeder Zeitperiode zu finden sind und es interessant wäre dort lauschen zu dürfen.
    Wem fällt noch etwas ein? Bitte mitmachen!

  6. Da mein Mann und ich große Griechenlandfan sind , würde ich mir wünschen , daß ich auf dem rechten Stuhl sitze , mein Mann auf dem linken Stuhl und auf dem mittleren Stuhl stelle ich ganz vorsichtig meinen Rucksack ab . Gruß Billi

  7. Wie das so ist mit den 3 Stühlen auf Kreta! Auf Protos ruht der Allerwerteste in all seinem Umfang samt Bauch und Kopf.
    Taxidiótis Leiste wird von einem, mitunter von beiden Füßen getreten und heftig hin- und hergeschoben. O Mikrós trägt auf seiner Lehne nur den Arm, vermeindlich die leichteste Last. Doch so manch leidenschaftliches Gespräch lässt ihn gründlich erzittern.
    Wer da sitzt auf den drei blauen Stühlen? Ein Grieche.

  8. Es ist Ende September. Wir sitzen gemeinsam mit einer kretisch-englischen Freundin, nein nicht vor einer Taverne, sondern auf drei blauen Stühlen vor ihrem kleinen Atelier in einem kleinen Bergdorf im Süden der Insel.
    Ich packe meinen Rucksack aus und stapele viele Leinwände in allen Größen auf ihre Knie. Dazu Pinsel und Ölfarben. Sie freut sich wie ein Kind.
    Als Dankeschön gibt es ein Bild für uns mit einem knorrigen alten Olivenbaum, durch dessen Blattwerk die untergehende Sonne strahlt.

  9. Auf dem einen Stuhl außen sitzt ein 10 – jähriges Mädchen. Es heißt Hera. Es baumelt mit den Beinen und quasselt unentwegt. In der Mitte sitzt ein Mann mit einem Strohhut auf dem Kopf, einer dunklen Sonnenbrille, einem Hemd mit blauen Herzen und einer blauen Jeans. Entspannt hat er sich zurückgelehnt. Neben ihm sitzt eine junge Frau. Auch sie trägt eine Sonnenbrille. Ihre roten langen Haare flattern im leichten Wind. Sie liest in dem Buch ‘Drei Stühle’.
    “Weißt du”, sagt das Kind, “ich heiße Hera. Das ist eine Göttin. Kennst du die? ” Der Mann antwortet nicht. Hera beginnt, in der Nase zu bohren. Danach meint sie: “Hera konnte Menschen in Tiere verwandeln. Wussten Sie das?” Der Mann schweigt. Die Frau blättert in ihrem Buch um. “Sie hat ihrem Mann Zeus in einen Stier verwandelt und der raubte dann Europa. Haben Sie davon gehört?”, fragt das Kind. Der Mann reagiert nicht. Da haut ihm die Kleine mit dem Fuß gegen das Schienbein. Der Mann knickt nach vorne ein. Die Frau schlägt ihr Buch mit einem lauten Knall zu und steht auf. “Und ich bin Hera!, sagt sie, “ich verwandle Dich jetzt in das Tier, das am besten zu dir passt!” Spricht’s, macht eine kreisende Bewegung mit ihrem rechten Zeigefinger. Das kleine Mädchen löst sich auf und plötzlich sitzt eine Kröte auf seinem Platz. “Komm, Apollo”, sagt die Frau, beugt sich zu dem Mann und wirfst sich die riesige Stoffpuppe über die Schulter und geht.

  10. Petra, 44, Lehrerin für Deutsch und Geschichte aus Münster. Vor ihr ein blaues Notizbuch mit Gummizug, linierten Seiten, dem heutigen Datum, geschrieben mit türkisfarbener Tinte. Am Daumen und Mittelfinger Tintenspuren. Sie schiebt sich die Sonnenbrille aus dem Gesicht und blinzelt in die Sonne. Noch ein Joghurt mit Honig und Walnüssen. Sie legt die Füße auf den zweiten Stuhl, der dritte blaue Stuhl bleibt leer. Achim hat sich anders entschieden.

  11. Auf den drei Stühlen sitzen drei alte Männer: Aléxios, der als Tavernenbesitzer zu bescheidenem Reichtum und einem umfangreichen Bauch gekommen ist. Anastasios, ein Olivenbauer, dessen Nase genauso knorrig aussieht wie seine Olivenbäume. Und dann ist da noch Ioannis, der Fischer, dessen beißender Spott seinen Mangel an Körpergröße wettmacht. Wie an jedem Vormittag sitzen sie vor Aléxios Taverne, die an der Straße nach Arkadi liegt.
    Ein Geländewagen rumpelt die staubige Dorfstraße entlang und stoppt vor der Taverne. Ein Tourist steigt aus und fragt: „Excuse me please, can you tell me the way to Arkadi?”
    Aléxios sieht Ioannis an und zuckt mit den Schultern.
    Der Tourist versucht es nacheinander in Französisch, Italienisch und Deutsch. Trotzdem bekommt er keine Antwort. Entnervt steigt er in seinen Wagen, wendet und fährt in die falsche Richtung.
    „Ein kluger Mann“, sagt Aléxios.
    „Ja“, pflichtet ihm Anasthasios bei. „Er spricht sehr viele Sprachen!“
    Ein Lächeln huscht über Ioannis‘ Gesicht. „Aber geholfen hat es ihm trotzdem nichts!“

  12. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr mussten die blauen Stühle Kreta-Touristen er-tragen. Das passte den Dreien gar nicht. Sie ächzten unter Ouzo-beseelten Männern und Gyros-efüllten Frauen. Da beschlossen sie, sich zumindest für kurze Zeit ihre Be-Sitzer selbst auszusuchen. Nichts ist unmöglich, wenn man blau und aus dem richtigen Holz geschnitzt ist, und so luden die Stühle Georges Moustaki, Elvis Presley und John Lennon ein. Den Sirtaki dieses Trios werden die Besucher der Taverne ihr ganzes Leben lang nicht vergessen.

  13. Klarer Fall: auf den drei armen Stühlen sitzen die drei hinterbliebenen Freundinnen Mathilde, Marie und Liliane, nachdem Ottilie sich mit Buttercremtorte, Baiser und Mohrenköpfen zu Tode gefressen hatte. Sie schwatzen und schmatzen, weil ihnen vor Schmerz die Worte fehlen. Als sonst nichts mehr reingeht, bestellen sie bei Udo Jürgens noch einen Keks “aber bitte mit Sahne”.

  14. Das Moppeltrio

    O Prótos, der älteste blaue Stuhl, kann sich ein empörtes Knarren nicht verkneifen, als sich die dicke Trude auf ihn fallen lässt.
    Mirkrós hat es mit der fülligen Tilde nicht besser getroffen.
    „Immer auf die Kleinen!“, knarzt er empört.
    O Prótos und Mirkrós halten den Atem an.
    Eine Dreizentnerfrau steuert freudestrahlend auf Taxidiòtis zu.
    „Hallo meine Lieben! Dann wollen wir es uns mal wieder so richtig gut gehen lassen!“,
    kichert sie und lässt sich beschwingt auf Taxidiòtis plumpsen, dem vor Entsetzen mehrere Stückchen blauer Farbe aus dem Gesicht fallen.
    Die drei Stühle halten den Atem an. Stundenlang! Stühle können das, blaue besonders gut!
    Endlich verlässt die korpulente Clique die Stätte ihrer Begierden.
    „Bis nächsten Freitag!“, verabschiedet sich das Moppeltrio.
    „Bis nächsten Freitag !“, äfft O Prótos Trude nach, wobei er resignierend mit der Rückenlehne zuckt.
    Mirkrós biegt sich vor Entsetzen. „Ich kann nicht mehr. Ich will in den Ofen!“
    „Ihr werdet auch immer dünnwandiger!“, schimpft Taxidiòtis.
    Genau im Moment größter Miesepetrigkeit schlendern drei entzückende Weibsbilder in Richtung Taverne.
    Spannung geht durch das geschundene Holz der Stühle. Ihr Blau strahlt den Frauen begehrlich entgegen.
    „The Show must go on!“, quietscht Mirkrós.
    O Prótos und Taxidiòtis schaukeln heftig zustimmend auf nur zwei Beinen.

  15. Seitdem ich zwischen zwei Stühlen sitze, hoffe ich, dass endlich mal jemand kommt, der mir den dritten Stuhl dazwischenstellt. Mir wird es langsam unbequem. Mein Rücken schmerzt und mein Arzt will mich mit Medikamente zudröhnen. Aber es fehlt nur der dritte Stuhl; mehr nicht!

  16. Nun, auf O Protos sollte Angela Merkel sitzen. Sie spannt gerade den Rettungsschirm auf, weil es gerade regnet (Euros?) und setzt dabei ihr verschlafenes, übliches lächeln auf. Dessen wird sie ja auch nimmer müde. Den ebenfalls üblichen Satz deutlich formulierend ,,Wir werden eine gemeinsame Lösung finden,,. Auf Taxidiotis sitzt unser Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der hat zwar keine Idee parat, weil er pausenlos über Gazprom nachdenkt. Doch, eine Idee kommt ihm spontan. Wir jagen hier alles mit einer ordentlichen Ladung Gas in die Luft. Somit hätte das alles ein Ende. Alles wird gut. Der böse Wolf jagd quasi Rotkäppchen in die Luft.Auf Mirkos sitzt ein alter Grieche. Die Leisten des Stuhls brauchen nicht viel zu tragen, weil der ,,Alte,, schon ziemlich abgemagert ist. Kein Euro in der Tasche, folglich auch nichts zu essen. Der übelegt aber, ob er auswandern sollte und Herrscher über eine Canabisplantage werden könnte.

  17. Auf den Stühlen sitzen Katzen – die kleinste in der Mitte!

  18. Romanauszug (unveröffentlicht), die Szene spielt in einem Fischerdorf auf Kreta während einer Hochzeitsreise:

    Im Dorf, in dem Helene und Moritz die einzigen Ausländer waren – ein Geheimtipp – gab es drei Tavernen. Die liebste war ihnen jene direkt auf der Klippe über dem Wasser. Georgious, der Wirt, begrüßte Moritz mit Handschlag, so von Mann zu Mann, Helene nickte er immer nur zu. Mit seinem dicken Bauch watschelte er vor ihnen her und wies ihnen einen der blau lackierten Tische zu, an dem drei Stühle standen. Er schätzte es nicht, wenn die Gäste selbst entschieden, wo sie sitzen wollten. Helene rückte ganz nah an ihren Mann heran, schmiegte sich an seine Schulter.
    Auf Englisch zählte Georgious die heutigen Gerichte auf. Moritz bestellte, was er seit sieben Tagen jeden Abend aß: Gegrillte Melanzani und Zucchini mit Schafskäse. Helene ging nie auf Nummer Sicher, sie probierte stets etwas Neues aus; heute wählte sie Tintenfisch im eigenen Saft.
    „It is very black, you know?”, fragte Georgious nach.
    Sie fiel fast vom Stuhl, dass er sie direkt ansprach.
    „Fine!“ Sie lachte, drückte Moritz’ Schenkel unterm Tisch.
    „And very dark red wine, please“, sagte er zu Georgious.
    In der Taverne gegenüber spielte eine Band. Die griechischen Urlauber klatschten, riefen „Òpa“, einige hatten einen Kreis gebildet und tanzten Sirtaki. Die streunenden Katzen waren alle zu Georgious geflüchtet, hockten am Klippenrand oder unter den Tischen, die Vorderbeine unter sich gezogen. Kaum eine, die bettelte, sie waren geübt darin, sich zu gedulden. Doch fiel ein Brocken vom Tisch, jagten sie sich gegenseitig die Beute ab. Eine von ihnen, die neben Helene kauerte, beteiligte sich nicht am Kampf um das Futter. Sie war schwarz und weiß gefleckt, blickte aufs Meer hinaus.
    „Fass diese Katzen nicht an“, mahnte Moritz, „wer weiß, was die für Krankheiten haben!“, als Helene begann, ihren Nacken zu kraulen.
    „Du brauchst mich nicht bevormunden, ich wasch mir die Hände, wenn das Essen kommt!“ Helene streichelte den Kopf, der sich nass anfühlte und zog die Hand zurück. Blut! Die Katze schaute hoch und Helene schrie auf, dem Tier fehlte das halbe Gesicht! Ein Teil der Nase war verschwunden, bis auf den Knochen konnte man sehen.
    „Sie muss doch wahnsinnige Schmerzen haben!“ Hilflos schaute Helene Moritz an, „warum hilft ihr denn keiner, sie wird an der Wunde sterben!“
    Doch Moritz murmelte etwas von natürlicher Auslese und dass sich das Tier schon erholen würde. Helene rannte zur Toilette. Sie verbrauchte die Hälfte der Flasche mit der Flüssigseife, rieb und rieb die Hände unter dem Wasserstrahl, als könnte sie damit auch Moritz’ Unbarmherzigkeit loswerden.
    Als sie zurückkam, stand das Essen auf dem Tisch, die Katze war nicht mehr da. Sie ließ den Stuhl zwischen sich und ihrem Ehemann frei. Helene brachte heute Abend keinen Bissen hinunter. Sie fragte sich, während Moritz gleichmütig und mit Appetit sein Gericht verdrückte, ob sich wirklich alles zwischen ihnen ausgehen würde. Sie würde das genau beobachten, schwor sie sich.

  19. Für mich sind es: Liebe, Respekt und Menschlichkeit. Diese drei Protagonisten wünsche ich mir auf den drei Stühlen. Dazu eine Prise Toleranz.

    Und das weltweit – nicht nur auf Kreta!

  20. Menelaos tunkte den gerösteten Brotwürfel in die Schale mit dem Olivenöl aus dem eigenen Anbau. Die Luft über dem Asphalt flirrte bei 30 Grad im Schatten. Philipos nahm die Schale, tunkte und reichte sie Artemisia.
    “Bei drei?”, fragte sie. Die beiden Renter auf dem rechten und linken Stuhl nickten, schlossen die Augen, führten das Brot zum Mund. Geräuschvoll genossen sie ihre Nachmittagspause, bevor sie zur Olivenernte fuhren. Die drei Stühle warteten geduldig…

  21. Märchenhaftes
    Kreta. Unendliche Weiten – unendliche Möglichkeiten. Na ja, die Weiten sind, ob der Tatsache, dass es sich um ein Eiland handelt, doch etwas begrenzt. Nicht aber die Möglichkeiten.

    An manchen Abenden, wenn die Tavernen noch vom Ansturm der Sommer-
    frischler verschont sind, wenn die Sonne noch nicht den ganzen Tag unbarmherzig vom Firmament brennt, und die Fluten des Meeres noch erfrischen, dann, ja dann geschieht etwas Seltsames zwischen Licht und Zwielicht.

    Kurz bevor die Sonne ins Meer fällt, erwachen die allgegenwärtigen, azurblauen Stühle auf den Terrassen und Veranden der kretischen Märchenwelt zum Leben. Sie tuscheln und wispern, lachen und schimpfen, und so manch einer ihrer Sitzgäste, die außer ihnen noch niemals jemand zu Gesicht bekommen hat, wird auch schon mal in die Unterwelt verwünscht.
    “Alles klar Jungs?” O Protos stöhnte unter seiner Last.
    “Ich bin echt froh, dass die drei Grazien uns heute mal nicht beehren” seuftze Mirkros erleichtert.
    “Warum, ich kann dich garnicht verstehen. Das sind doch echt nette Mädels.” Taxidiotis kratzte sich sein morsches Bein.
    “Ja, aber ich hab heute echt keinen Bock auf Frohsinn, glanzvolle Auftritte oder blumige Worte.”
    “Meinst du, der Muskelprotz, der sich gerade auf mir niederlässt, ist da die bessere Wahl? Ich hoffe, meine Leisten halten durch.”
    Taxidiotis und Mirkros sahen ihren Kumpel fragend an.
    “Na seht doch mal genau hin, dieser Angeber von Herakles. Hat angeblich seine zwölf Aufgaben mit Bravour gelöst, aber bewiesen wurde das nie.”
    “Dennoch ist es immer spannend, wenn er davon erzählt” meinte der kleine Mirkros bewundernd.
    “Ach was. Der trägt doch bloß dick auf. Da hat er die neuköpfige Hydra getötet, die stymphalischen Vögel ausgerottet, die zugegeben echt ekelhafte Zeitgenossen waren, den Höllenhund Zerberus aus der Unterwelt geholt, und dann stirbt er selbst an Nessos’ vergiftetem Blut.” O Protos schüttelte seine Rückenlehne.
    “Und was willst du uns damit sagen?” Mirkros sah ihn verständnislos an.
    “Na, vertraue niemals einem Zentauren, ist doch klar” erklärte Taxidiotis allwissend.

    “Ach Herrje, nun seht mal, wer da auf mich zukommt.” Taxidiotis versuchte vergeblich ein Stück zur Seite zu rücken, damit Homer sich zu Mirkros gesellte. Leider ohne Erfolg. Der Dichter schlechthin ließ sich mit einem lauten Rülpser auf den Stuhl fallen.
    “Autsch, spinnst du? Ich bin nicht mehr der Jüngste.”
    “Sei still, er kann doch nicht sehen, wie altersschwach du bist,” rügte Mirkros seinen Nachbarn.
    “Ja ja, ergreif du nur Partei für den Alten. Er sollte lieber seinen letzten Obolus für den Fährmann bereithalten.”
    “Jetzt gehst du aber wirklich zu weit. Dafür müsste er doch erstmal sterben.” O Protos war sichtlich entrüstet und seine Beine begannen vor Wut zu zittern.
    “Na gut” lenkte Taxidiotis ein, “dann soll er wenigstens aufhören, uns ständig neue Märchen über Illias und die Odyssee zu erzählen.”

    “Oh nein. Jetzt bin ich dran.” Mirkros, der kleinste der drei Stühle, war bisher unbesetzt geblieben. Nun aber schwebte eine zierliche Dunkelhaarige auf ihn zu, die seltsame Grimassen zog und sie mit noch seltsameren Tönen untermalte.
    “Ha ha ha, sieh an Maria.Die Callas haben wir ja schon ewig nicht mehr gesehen.” O Protos und Taxidiotis schüttelten sich vor Lachen.
    “Ja, und ich hatte gehofft, es würde so bleiben.” Mirkros machte sich zunächst steif, schüttelte sich dann aber ebenfalls, in der Hoffnung, dass das Krächzen seiner Leisten die berühmte Sängerin abschrecken würde. Leider hatte auch er keinen Erfolg. Kurz darauf begann sie ein Stück anzustimmen, das sich verdächtig nach einer Arie aus La Traviata anhörte. Gefühlte hundertmal begann sie immer wieder von vorn, bis sie endlich den Ton getroffen hatte, der ihren empfindlichen Ohren am besten gefiel und ihrer zarten Kehle am leichtesten entfleuchte. Nicht nur die Stühle, auch Herakles und Homer hielten sich entsetzt die Ohren zu.

    “Ich denke, es ist Zeit für einen Ouzo,” bemerkte Mirkros trocken.
    Gesagt, getan. O Protos stellte dem herauseilenden Kellner ein Bein während Taxidiotis geschickt die Flasche mit seinen Armlehnen fing und sie unter dem leichten Jäckchen der Callas in Sicherheit brachte.

    Aber dann, wenn es schon fast nicht mehr auszuhalten ist, die Heldengeschichten, die homerischen Epen und die elfengleichen Sanges
    übungen, dann versteckt die Sonne endlich ihre rotgoldene Glut hinter dem Wellen umschlungenen Horizont und die kretischen Märchen weichen wieder der nächtlichen griechischen Wirklichkeit.

  22. “Alles klar, Jungs?” O Prótos stöhnte unter seiner Last.
    Ein japanischer Sumo-Ringer hatte auf ihm Platz genommen.
    „Ich hoffe, meine Leiste hält durch“, klagte Taxidiótis, den ein weiterer Sumo-Ringer besetzte.
    „Geht schon“, piepste Mikrós, der kleinste der DREI STÜHLE.
    Auf ihm hatten die beiden Männer ihre Kameras und Rucksäcke abgelegt.

    „Ich habe viele Touristen erlebt, aber nicht solche Kolosse!“, knarzte O Prótos. Seine geflochtene Sitzfläche bog sich bedenklich durch.
    „Manchmal verfluche ich den Tag, an dem uns Níkos in seiner Taverne am Ende der Samariá aufgestellt hat“, sagte Taxidiótis.
    „Ich glaube, ich falle gleich ohnmächtig um! Hier stinkt es so“, meldete sich Mikrós.
    Die beiden Sumo-Ringer hatten ihre Schuhe und Socken ausgezogen und stellten je ein Bein auf Mikrós.
    „Die haben bestimmt nur den lazy way von unten durch die Schlucht genommen. Pah“, sagte Taxidiótis.
    Níkos näherte sich und sprach zu den Männern. Diese antworteten.
    „Versteht ihr, was sie reden?“ wollte Mikrós wissen.
    „Ich habe etwas von Souvenir und Flugzeug gehört“, sagte O Prótos.
    „Oh, nein“, jammerte Mikrós. „Ich will nicht fort von Kreta, wo ich den Duft von Thymian riechen darf und jeden Abend die prächtigsten Sonnenuntergänge erlebe, wo der leckerste Fisch serviert wird und die schönsten Tänze getanzt werden und…“
    „Wir brauchen einen Plan, jawoll!“ sagte Taxidiótis und verlagerte das Gewicht auf seine hinteren Beine. Er zwinkerte O Prótos zu, der ebenfalls leicht nach hinten kippte und „Freiheit oder Tod“ schrie.

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