Wie man Verlage dezent bei der Meinungsbildung unterstützt

Gepostet am Jun 15, 2011

Ich habe Kai Riedemann gefragt, ob wir eine Fortsetzungsserie machen wollen. Worüber er jetzt noch berichten solle?, fragte er zurück. In Wie man es garantiert schafft, nicht gedruckt zu werden liefert er hilfreiche Tipps für AutorInnen und die, die es noch werden wollen. Unter dem Motto Warum mancher Krimi fast so kriminell ist wie seine Handlung schildert er seine Erfahrungen mit dem Urheberrecht. Neben allen guten Ratschlägen ist eins klar: Es scheint bei der Funk Uhr nicht anders zu sein als bei STORIES & FRIENDS und anderen Verlagen, so leid es dem/der LektorIn, dem/der HerausgeberIn oder dem/der VerlegerIn auch tut. Es werden mehr Texte abgelehnt als gedruckt. Es gilt Entscheidungen zu treffen. Und nun? Den/die AutorIn trifft es hart. Kopf in den Sand stecken? Verzweifeln? Herr Riedemann, was tun Ihre AutorInnen dann? Haben Sie auch dafür ein paar gute Tipps auf Lager. Während Sie seine Antwort lesen, kümmere ich mich mal um meinen Versicherungsschutz. Das kann ja noch heiter werden!

Leider kommt es immer wieder vor, dass ignorante Lektoren oder Herausgeber die wahre Qualität eines Textes nicht erkennen wollen. Das ist überaus betrüblich, wenn nicht gar eine bodenlose Frechheit, haben doch Familienmitglieder oft genug den Wert des Werkes bestätigt. Dem Autor/der Autorin bleiben nun verschiedene Möglichkeiten, mit dieser Schmach umzugehen.

Möglichkeit 1: Er/Sie betrinkt sich in einer Kneipe und liest dort so lange aus seinem/ihrem Text, bis er/sie wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses in Fabelhaft genommen wird.

Möglichkeit 2: Er/Sie schickt den Text unverzüglich an den nächsten Herausgeber, wobei das Thema der jeweiligen Ausschreibung weniger entscheidend ist als die Tatsache an sich.

Möglichkeit 3: Er/Sie droht dem Verlag mit einer Beleidigungsklage.

Die dritte Möglichkeit der Frustbewältigung ist absurd? Nicht unbedingt. Ich zitiere dazu aus einem gut dokumentierten Schriftwechsel:

„Wegen Beleidigung und Herabsetzung und arglistiger Täuschung (… zur weiteren Beweislage ist mein Onkel zu nennen, der ebenfalls eine Absage erhielt), fordere ich die Zahlung eines Schmerzensgeldes i.v.H. 2000,- Euro.“

Natürlich bemüht sich der Lektor, auf dringende Nachfragen eine Absage zu begründen. Doch auch der Verweis auf mehrere Jury-Mitglieder, die von der Qualität nicht überzeugt sind, fruchtet nicht immer:

„Nennen Sie konkrete Namen von den Personen, die sich derart gegen meine Werke äußern! Als Autorin, die schon zahlreiche Veröffentlichungen unter Künstlernamen hatte, muss ich mir dies nicht bieten lassen.“

Zum Problem könnte auch werden, dass unverlangt eingesandte Manuskripte, die in der Regel eine Seite bzw. zwei Seiten lang sind, nicht zurückgeschickt werden können:

„Es liegt der dringende Tatverdacht nahe, dass Vernichtung von fremdem Eigentum vorliegt. Sichtlich befinden Sie sich nicht mehr im Besitz der Scripts, bzw. haben sie weggeworfen. Diese Bodenlosigkeit muss man sich vor Augen führen.“

„Was die Vernichtung von Autorenwerken betrifft, so stellt dies eine Straftat dar: indem Sie gegen die Urheberrechte verstoßen, Vernichtung von fremdem Eigentum und die boshafte vorsätzliche Schädigung unserer Personen betrieben, indem unsere Werke von Ihrem Verlag in den Müll geworfen wurden. Ggf. sehe ich mich gezwungen, die Staatsanwaltschaft zu betrauen, die dann die Höhe der Schadenersatzsumme festsetzen wird.“

Leider neigen Herausgeber dazu, schriftliche Manuskripte mit Eingangsbestätigungen zu versehen. Insofern kann auch das Zurückschicken des Textes einen strafrechtlich relevanten Sachverhalt offenbaren:

„Das Originalscript haben Sie verunreinigt und vorsätzlich unbrauchbar gemacht, durch handschriftliches Überkritzeln mit unauslöschlichem Kugelschreiber. Auch hier wird um Erstattung gegeben, i.d.H. der Kosten eines hiesigen Schreibbüros, 33,- Euro je Stunde plus Mwst. u. Porto. Ebenso die Unkosten für vielfachen Schreibverkehr, Kopien, Porto etc., was derzeit 12,- Euro beträgt.“

Geradezu fatal wird es, wenn einer Autorin die Absage derart zu Herzen geht:

„Durch die Aufregung musste sie sich zum Arzt begeben. Sie ist herzkrank. Kosten von 150,- Euro entstanden.“

Der Lektor bzw. Herausgeber selbst erfährt auf diese Weise sehr viel über seine eigene fragwürdige Persönlichkeit. So manche verdrängte Veranlagung wird schonungslos entlarvt:

„Die Polung Ihres Verlags ist ersichtlich, an der brutal-abartigen Art der Krimis, die Sie auswählen. Dazu gehört schon eine gute Portion Kaltblütigkeit. Was die Leser schreiben und was Sie letztendlich abdrucken, sind zweierlei; deshalb ist Ihnen allein der Vorwurf zu machen. Da werden u.a. Opfer erwürgt, stranguliert oder auch solange mit dem Kopf gegen eine Wand oder Badewannenrand geschlagen, bis sie tot sind.“

Falls jemand ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sich selbst als Herausgeber zu betätigen: Nach der Lektüre dieser Schriftwechsel könnte er ins Grübeln kommen.

S&F Magazin | Kai Riedemann | 15.06.2011

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